BACKLINE Magazin
EN

Skitouren-Ski · Testmagazin 2026

Techtalk mit Anja Blieninger, Marker, Dalbello, Völkl

Category Director · Heftseite 73

Tests, Reviews und Hintergründe zu Marker, Dalbello, Völkl

Was spricht für und was gegen spezifische Frauen- und Männer-Modelle bei Tourenskiern?

Anders als in manchen anderen Segmenten geht es bei Tourenskiern aus meiner Sicht weniger um das Geschlecht, sondern viel mehr um Fahrkönnen, Kraft, Größe und vor allem um die persönlichen Vorlieben. Die einen suchen maximale Effizienz beim Aufstieg, andere legen mehr Wert auf Fahrperformance bei der Abfahrt. Oft werden Frauenmodelle einfach mit einer weicheren Abstimmung versehen – das greift aus meiner Sicht zu kurz. Eine technisch starke Tourengeherin braucht nicht automatisch einen weicheren Ski, sondern einen Ski, der zu ihrem Fahrstil und ihren Ansprüchen passt. Bei der Entwicklung unserer Tourenski versuchen wir deshalb bewusst, nicht zwischen Frauen und Männern zu unterscheiden, sondern unterschiedliche Bedürfnisse und Einsatzbereiche abzudecken.

Die Gewichtsreduktion der Tourenski stagniert seit einigen Jahren, erwartest Du zukünftig neue Materialien, die die Ski noch leichter machen könnten bei gleicher Fahrperformance?

Durch Materialkombinationen und leichtere Holzkern-Konstruktionen haben wir in den vergangenen Jahren große Entwicklungsschritte gemacht. Die letzten Gramm herauszuholen, wird aber mit jedem Schritt schwieriger. Ich glaube deshalb, dass neue Materialien das Skigewicht zwar noch minimal optimieren können, das Ziel aber künftig darin liegt, bei ähnlichem Gewicht, eine bessere Fahrperformance zu erzielen. Höhere Stabilität und Kontrolle bei wechselnden Bedingungen, ein leichterer, kraftschonenderer Zugang zu sportlichem Skifahren und insgesamt mehr Spaß beim Abfahren haben für mich persönlich eine höhere Priorität.

Welche Strategie verfolgt Völkl im Bereich Entwicklung von neuen Modellen und Technologien bei Tourenskiern?

Genau diese zuvor angesprochene Balance ist der Kern unserer Entwicklungsarbeit bei Völkl. Wir wollen keine Ski bauen, die nur auf dem Papier überzeugen, sondern Produkte, die am Berg funktionieren und den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Dabei setzen wir stark auf unsere eigene Erfahrung und unser Testteam, zu dem einige sehr erfahrene Ski- und Bergführer zählen. Wir alle verbringen viele Tage im Gelände, testen Prototypen unter unterschiedlichsten Bedingungen und versuchen, jedes Modell weiter zu perfektionieren. Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist dabei auch der Technologietransfer innerhalb unserer Produktlinien. Wir nutzen unser gesamtes Know-how aus verschiedenen Bereichen und übertragen Technologien dann, wenn sie für den jeweiligen Einsatzbereich einen echten Vorteil bringen – wie zum Bespiel beim 3D Radius Sidecut, der im Freeride- und All-Mountain-Bereich eingesetzt und für den Tourenbereich gezielt adaptiert wurde.

Was sind die Hauptunterschiede beim Ski Set Up bei den RISE- und der BLAZE-Modellen?

Die beiden Linien sprechen unterschiedliche Bedürfnisse an. Die RISE-Modelle sind die klassischen Tourenski und stehen stärker für Effizienz beim Aufstieg. Sie sind gemacht für alle, die viele Höhenmeter sammeln, lange Touren gehen und gleichzeitig eine starke Abfahrtsperformance schätzen. Die BLAZE-Modelle sind eigentlich leichte, intuitive All-Mountain-Freeride-Ski, die auch als Tourenski von Skifahrern genutzt werden, die sehr hohen Wert auf den Spaß beim Abfahren legen. Sie bringen mehr Stabilität, Dämpfung und Reserven bei höherem Tempo oder wechselnden Schneebedingungen mit. Vereinfacht gesagt: Der RISE ist der Partner für lange Tage am Berg, der BLAZE für alle, die beim Abfahren in allen Bedingungen so richtig Spaß haben wollen.

Welcher Tourenski kommt bei Dir im Winter am meisten zum Einsatz?

Ich bin in der glücklichen Lage, mehr als einen Tourenski zu Hause stehen zu haben – auch wenn das manchmal dazu führt, dass die Entscheidung am Morgen vor der Tour fast schwieriger wird als die Tour selbst. Wenn ich zügiger unterwegs sein möchte und mehr Höhenmeter auf dem Plan stehen, greife ich zum Rise Above 88 mit Alpinist-Bindung. Das Setup ist leicht, agil und perfekt für längere Aufstiege und alles, was der Tag bietet – und genau das macht für mich auch den Reiz am Skitourengehen aus.

Weitere Techtalks