Skitouren-Stöcke · Testmagazin 2026
Techtalk mit Tom Seidensticker, OGSO
Chief Executive Officer (CEO) · Heftseite 63
Tests, Reviews und Hintergründe zu OGSO
YoYo ist ein neuer Zweiteiler von OGSO mit modularem Pickelaufsatz, modularer Kamerahalterung und entfernbarer Schlaufe für diejenigen, die gerne ganz ohne Schlaufe fahren. Woher kam die Grundidee für diese Innovation?
Die Grundidee für den YoYo entstand aus meiner eigenen Erfahrung am Berg – aus vielen kleinen Beobachtungen über Jahre hinweg. Deshalb habe ich jeden einzelnen Bereich eines Skistocks hinterfragt. So ist aus vielen praktischen Überlegungen schließlich die modulare YoYo-Plattform entstanden. Beim Knauf fiel mir auf, dass viele traditionelle Hirten- und Alpenhirtenstäbe seit Jahrhunderten einen runden Knauf besitzen. Das ist kein Zufall. Wer einen Stock von oben belastet, profitiert von dieser Form. Der runde Knauf verteilt den Druck gleichmäßiger auf die Handfläche, ermöglicht verschiedene Griffpositionen und verbessert die Kontrolle. Entsprechend habe ich auch den Griff neu gedacht. Am unteren Griff befindet sich ein ausladender Höcker. Dieser verbessert die Kraftübertragung und ermöglicht ein präziseres Hantieren mit Daumen und Zeigefinger. Außerdem verhindert er ein Abrutschen der Hand. Der lange Griff erlaubt es, im Steilen schnell die Hand zu versetzen, ohne ständig die Länge zu verstellen. So kann ich die Stocklänge in Sekunden an das Gelände anpassen. Die Schlaufe lässt sich beim Aufstieg entfernen. Bei der Abfahrt im Powder sollte der Mountaineer keine Schlaufe am Handgelenk tragen, um bei einem Lawinenabgang bessere Überlebenschancen zu haben. Im harten, steilen Gelände sollte man den Skistock am Handgelenk sichern, um ihn nicht zu verlieren. Die Schlaufe besteht aus Dyneema und wurde bis 22 kN geprüft.Der Kameraaufsatz ermöglicht ein Filmen ohne Störung und mit einem dynamischen Blickwinkel.
Ist der Pickelaufsatz ein gleichwertiger Ersatz für einen Leichtpickel?
Der Pickelaufsatz ist kein vollständiger Ersatz für einen klassischen Leichtpickel. Er richtet sich an erfahrene Bergsportler, die sich auf kurzen, technisch anspruchsvollen Passagen absichern wollen, ohne dauerhaft einen separaten Pickel mitführen zu müssen. Vor allem im steilen Gelände liefert er zusätzliche Sicherheit und kann beim Abfahren helfen, einen Sturz abzubremsen. Für anspruchsvolle Hochtouren, Gletscherbegehungen oder längere Eispassagen empfehlen wir selbstverständlich weiterhin einen vollwertigen Bergsteigerpickel. In einem statischen Belastungstest wurde der Stock mit montiertem Pickelaufsatz bis zu einer Kraft von 5 kN geprüft. Sowohl der Schaft als auch der Pickelaufsatz hielten dieser Belastung ohne strukturelle Schäden stand.
Was war die Zielsetzung bei der Entwicklung der Teller für den YoYo?
Bei der Entwicklung des Tellers war OGSO wichtig, dass er im Tiefschnee genügend Auftrieb bietet und gleichzeitig kompakt genug für technisches Gelände ist. Der Teller hat einen Durchmesser von 8,5 Zentimetern und besteht aus zwei Materialien. Die seitlichen Bereiche sind gewölbt und flexibel. Die Wölbung verhindert ein zu leichtes Eindringen in den Schnee, und die Flexibilität erleichtert durch Verformung das Herausziehen des Tellers aus dem Schnee. Der hintere Bereich ist härter und dient als Schaber. Damit lassen sich Schnee und Eis einfach vom Ski entfernen, gerade vor dem Aufziehen oder nach dem Abnehmen der Felle. Die vordere Spitze besteht ebenfalls aus härterem Material. Damit kann ich die Tourenbindung bedienen, ohne mich im steilen Gelände bücken zu müssen. Das ist nicht nur einfacher, sondern vor allem sicherer. Der Teller ist austauschbar.
Ihr habt euch beim Material für die Rohre für Shaft Aluminium entschieden. Warum? Sind zukünftig zusätzlich Carbon-, Kevlar- oder Titanal-Versionen in Planung?
Der YoYo wurde für den intensiven Einsatz im alpinen Gelände entwickelt. Er trägt Zubehör, wird im Rucksack transportiert, stößt gegen Felsen und ist über viele Stunden unter anspruchsvollen Bedingungen im Einsatz. Aluminium bietet dafür genau die Balance aus Stabilität, Gewicht, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit, die wir erreichen wollten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Carbon für uns keine Rolle spielt. Im Gegenteil: Zur Saison 2026/27 bringen wir einen Vollcarbon-Skistock auf den Markt. Wir beginnen unsere Entwicklung jedoch nie mit der Frage: „Welches Material klingt am attraktivsten?“, sondern immer mit der Frage: „Welche Aufgabe soll dieses Produkt erfüllen?“ Erst danach wählen wir das Material, das diese Anforderungen am besten erfüllt.

