Skitouren-Skischuhe · Testmagazin 2026
Techtalk mit Dirk Rutschmann und Martin Kirmair, shooIQ / Sidas
Dirk Rutschmann: CEO; Martin Kirmair: Head of Training · Heftseite 93
Tests, Reviews und Hintergründe zu shooIQ / Sidas
Passform ist essentiell bei Skischuhen. Wie erreiche ich die?
Dirk Rutschmann: Wir sprechen bei der Passform von einem Dreiklang aus Schuh, Einlegesohle und Socke. Viele akzeptieren Probleme beim Skifahren als gegeben. Es geht aber besser! Und zwar nicht nur in Bezug auf den Komfort – sondern auch für mehr Leistung und bessere Durchblutung. Wenn wir auf unseren Scannern Füße vermessen und den Kunden die Daten am Bildschirm zeigen, sehen diese, wie unterschiedlich der rechte und der linke Fuß sind, wie die Druckverteilung ist, welche Besonderheiten ihre Füße auf weisen – meist ein ziemliches Aha-Erlebnis! Danach schlägt unsere Datenbank den optimalen Schuh vor. Die Datenbank umfasst Scans von allen gängigen Modellen der großen Hersteller, die wir inhouse erstellen. Hier gibt es die nächste Überraschung: Die meisten tragen zu große Schuhe. Der fehlende Sitz wird dann kompensiert, indem die Schnallen massiv fest geschlossen werden. Das unterbindet aber wiederum die Durchblutung, ergo gibt es kalte Füße. Man sieht, wie hier alles zusammenhängt. Deshalb ist es auch so wichtig, sich bei einem ausgebildeten Fachhändler beraten zu lassen. Der nächste Schritt sind dann die Einlegesohlen.
Einlegesohlen – ist das nicht was für Leute, die Fußprobleme haben?
Martin Kirmair: Nein, auf keinen Fall. Die Einlegesohle ist die Basis der individuellen Anpassung. Man muss sich das so vorstellen: Der anatomisch gewölbte Fuß liegt im Skischuh auf einer völlig flachen Ebene und hat kaum Kontakt. Bei sportlicher Aktivität ermüdet das Fußgewölbe und senkt sich ab. Das hat Folgen für die Körperausrichtung, sprich Knie, Hüfte, Rücken. Die Einlegesohle ist das Bindeglied zwischen Fuß und Schuh: Sie schützt vor Ermüdung und Verletzung, erhöht Passform und Kontakt zum Schuh und damit auch zum Ski! Die Leistungsfähigkeit steigt proportional zum Spaß an der Aktivität, der Fuß friert weniger, die Schnallen müssen nicht so eng gestellt werden.
Welche weiteren Möglichkeiten des Fittings gibt es?
Martin Kirmair: Viele vergessen mit der Skisocke ein Detail, das einen großen Unterschied machen kann. Funktionsmaterialien sorgen für ein gutes Fußklima – das heißt Feuchtigkeit wird abgeleitet, Kälte und Reibung verhindert, und der Fuß sitzt natürlich auch besser auf der Sohle. Kompression, naht- und fadenfreie Konstruktionen und Verstärkungen tun ihr Übriges. Der Innenschuh selbst kann natürlich auch noch angepasst werden: Wir können ihn individuell schäumen oder weiten. Und selbst die Schale kann verändert werden, wenn man z. B. einen Hallux hat, der mehr Raum benötigt. Das ist dann schon Expertenniveau. Dafür schulen wir unsere Händler in unseren Academys, damit wirklich jede und jeder den passenden Schuh findet. Außerdem arbeiten wir eng mit Skischuh-Herstellern zusammen.

