Skitouren-Felle · Testmagazin 2026
Techtalk mit Hans-Peter Brehm, Colltex
Geschäftsführer · Heftseite 119
Tests, Reviews und Hintergründe zu Colltex
Welche Skifelle empfiehlst du als Bergführer Gästen, die 10–20 Touren pro Winter gehen, und warum?
Standard auf dem Markt sind Felle aus 100 % Mohair-Ziegengarn, Mix-Felle aus 65 % Mohair und 35 % Polyamid sowie reine Synthetikfelle. Gleiten und Steigen verhalten sich immer gegensätzlich: Mohair gleitet optimal, steigt aber weniger gut; Synthetik hält gut, gleitet aber schlechter. Für den „Durchschnitts-Tourengeher“ sind Mix-Felle die beste Wahl, da sie gutes Gleiten mit sicherem Halt vereinen. Bei Colltex sind das die Tödi-Skifelle, benannt nach dem 3614 m hohen Wahrzeichen des Glarnerlandes.
Wenn die Felle nicht mehr haften – wie löst du das am Berg, ohne die Tour abzubrechen?
Wer die Kleberhaftung vor der Tour prüft, vermeidet das Problem meist. Bei großer Kälte oder mehrmaligem Auf- und Abfellen in nassen Verhältnissen kann der Hotmelt-Kleber trotzdem nachlassen. Dafür hat Colltex die Quicktex-Pads entwickelt: doppelseitig beschichtetes Trägergewebe im Format 7 × 7 cm. Es wird auf die Felle geklebt und lässt sich nach Gebrauch gut wieder lösen, so kann die Tour weitergehen. Nach der Tour empfehlen wir eine Neubeschichtung.
Rutschen die Gäste in steilen Traversen eher wegen mangelhafter Gehtechnik oder wegen falsch zugeschnittener Felle?
Da Ski heute unterschiedlich tailliert sind, kauft man meist die passenden Felle mit. Sie passen also in der Regel. Rutschen im Aufstieg oder in der Querung liegt fast immer an der Gehtechnik. Im Steilen das Gewicht bewusst auf die Fersen bringen, damit das ganze Fell gleichmäßig Druck bekommt. Wer zu weit vorne über den Stöcken „hängt“, belastet nur den vorderen Teil und rutscht hinten weg. In der Querung den Ski leicht zur Talseite kippen (mehr Fell auf dem Schnee) und kleine Schritte machen, damit der Schwerpunkt über dem Ski bleibt. Diese und weitere Tipps gibt es unter www.colltex.ch/de/10-skifell-tipps.
Wenn die Felle deiner Gäste stollen – was hilft?
Meist liegt es nicht am Fell. Stollen entsteht vor allem beim Wechsel von warmem, nassem in kalten Schnee: Die feuchten Felle kühlen ab, und der Schnee friert an, meist zuerst an der Kante, dann auf dem ganzen Fell. Oft startet man bei warmen Verhältnissen, und in der Höhe wird es kalt; manchmal genügt schon der Schritt von der Sonne in den Schatten. Es hilft, die Felle am Vorabend zu imprägnieren und beim Aufziehen vor dem Start mit einem Wachsblock anzudrücken. Diese Imprägnierung reduziert die Stollenbildung. Passiert es trotzdem: Ski ausziehen, die Stellen mit einem Tuch in Haarrichtung trocknen und neu wachsen.
Wie und wo bewahrst du deine Felle auf, wenn du mehrmals auf- und abfellen musst?
Bei großer Kälte in der Jacke auf Brusthöhe. Im Rucksack können sie anfrieren, dabei lassen sich warme Felle leichter aufziehen und halten deutlich besser. Im Frühling bei warmen Temperaturen spielt das kaum eine Rolle. Wichtig: Felle nie auf dem Ski trocknen, wie man es oft bei der Ankunft an Hüttenwänden sieht. Bei zu viel Wärme kann sich der Kleber mit dem Belag verbinden und Rückstände hinterlassen. Also immer erst abziehen, dann trocknen. Ich wünsche allen einen tollen Skitouren-Winter!

