Weiterführende Infos zu Airbagsystemen
Lawinen-Airbags unterscheiden sich grundlegend in der eingesetzten Technik: Mechanische Systeme arbeiten mit gefüllten Kartuschen, elektronische Systeme mit Gebläse oder Superkondensatoren. Das Volumen der Airbags variiert bei allen Herstellern zwischen 150 und 200 Litern.
Hier erklären wir die Systeme, die in den von uns getesteten Airbag-Rucksäcken zum Einsatz kommen – mit ihren Stärken, Besonderheiten und den offiziellen Herstellerinformationen.
Die Systeme im Überblick
ABS P.Ride & s.Light
Mechanisches SystemABS ist ein Pionier im Bereich der Lawinenrucksäcke und unterschied in der Vergangenheit zwischen dem ABS P.Ride und dem s.Light System. Das P.Ride System zeichnet sich durch die Möglichkeit einer Partner-Auslösung aus, wodurch in einer kritischen Situation eine gezielte Auslösung des Airbags durch den zuschauenden Partner möglich ist.
ABS proklamiert für sich, eine bis zu doppelt so große Auflagefläche des Airbags zu haben und dadurch die Wahrscheinlichkeit, im Falle einer Lawinen-Erfassung an der Oberfläche zu bleiben, klar zu erhöhen. Die zwei eingesetzten und weitgehend voneinander unabhängigen Airbags (ABS® Twinbag System) werden mit separaten Ventilen gefüllt – dadurch wird einem möglichen Riss eines Airbags Rechnung getragen.
Auch das s.Light System arbeitet mit dem bewährten ABS® Twinbag System; das Gewicht der Basiseinheit wurde auf unter 2 Kilogramm reduziert. Alle ABS Rucksäcke bieten mit dem bekannten ZipOn-Prinzip die Möglichkeit, durch unterschiedliche Aufsätze aus einem Tagesrucksack einen Mehrtagesrucksack „zusammenzuzippen“ – ein bewährtes und flexibles Konzept.
Alpride 2.0 & Alpride E1
Mechanisches SystemAlpride 2.0 ist ein rein mechanisches und kompaktes System und nutzt zwei kleine Gaskartuschen. Das 2.0 System ist nach der Norm DIN EN 16716 zertifiziert.
Das Alpride E1 ist ein vollelektronisches System. Alpride proklamiert, dass die eingesetzten Superkondensatoren elektrische Energie ohne chemische Reaktionen speichern können und dadurch auch bei Temperaturen zwischen -30 °C und +40 °C die gleiche Leistung garantiert wird. Sie können von zwei vollen AA-Batterien innerhalb von 40 Minuten oder alternativ mit einem USB-Stecker aufgeladen werden. Ein mehrfaches Auslösen des Airbags ist dadurch ohne Zusatzkosten möglich.
Alpride E2
Elektronisches SystemDas Alpride E2 System arbeitet mit einem leistungsstarken Gebläse, das die Airbags in kurzer Zeit aufblasen kann. Durch das Ziehen des Auslösegriffs wird ein Radialkompressor eingeschaltet, der den Airbag aufbläst. Er wird mit Hilfe eines Superkondensators betrieben.
Superkondensatoren speichern elektrische Energie ohne chemische Reaktion (im Gegensatz zu Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Batterien) und sind daher nicht temperaturempfindlich – sie liefern gleiche Leistung von -30 °C bis +50 °C. Das System kann über einen USB-C-Anschluss direkt an der Steckdose aufgeladen werden. In Kombination mit zwei handelsüblichen AA-Batterien hat das System eine Laufzeit von bis zu drei Monaten. Bei jedem Einschalten führt das System einen Selbsttest durch; ein LCD-Display informiert über den Ladestand und weitere Informationen. Eine schützende Hülle um das System verhindert, dass andere Gegenstände das System in irgendeiner Weise stören.
Argumente
- Fliegen ohne Einschränkungen – die Superkondensatoren sind passive elektronische Elemente und unterliegen keinen Transport-, Versand- oder Lagerungsbeschränkungen.
- Mehrfaches Aktivieren – du kannst das Aufblasen des Airbags ganz einfach und ohne Auswechseln der Patronen üben.
ARVA Reactor
Mechanisches SystemArva Reactor ist ein mechanisches System. Der Airbag erscheint nach dem Befüllen nach außen als eine Einheit, verfügt jedoch über zwei getrennte Kammern. Somit führt ein möglicher Riss einer Einheit – bei einer Verschüttung – zu keinem kompletten Ausfall des Systems.
BCA Float & Float 2.0
Mechanisches SystemDas BCA System setzt ein mechanisches System ein. Die gesamte Airbag-Einheit ist aus dem Rucksack ausbaubar – somit können die BCA Rucksäcke auch ohne Airbag und Mehrgewicht eingesetzt werden. Die aktuelle Generation trägt den Namen Float 2.0.
Black Diamond JetForce
Elektronisches SystemJetForce ist ein elektronisches System. Alle Modelle von Black Diamond, die mit dem JetForce System ausgestattet sind, setzen mit 200 Litern den größten Airbag im Test ein.
Das System füllt nach dem Auslösen proaktiv laufend den Airbag für die Dauer von drei Minuten. Danach wird der Airbag erneut proaktiv entleert – das soll einerseits mehr Raum im Falle einer Verschüttung sicherstellen und auch die Ausgrabung erleichtern.
Mammut P.A.S. & R.A.S.
Mechanisches SystemDie Kartusche, das Auslösesystem und auch der Auslösegriff bei dem mechanischen P.A.S. und R.A.S. System sind gleich. Die Systeme unterscheiden sich im Preis und beim Airbag; es sind Stahl- oder Carbon-Kartuschen einsetzbar.
Der Airbag beim P.A.S. System schützt den Kopf-, Nacken- und Brustbereich vor mechanischen Verletzungen in der Lawine. Sowohl das P.A.S. als auch das R.A.S. System ist ausbaubar, wodurch die Rucksäcke variabel einzusetzen sind.
Ortovox Avabag
Mechanisches SystemAuch Ortovox Avabag ist ein mechanisches System. Ortovox optimierte das System im Hinblick auf das Gewicht der Systemeinheit sowie die Ergonomie des Auslösegriffs. Das System kann ohne Kartusche zum Training ausgelöst und durch ein Reaktivierungs-Werkzeug erneut scharf gemacht werden.
Ortovox Avabag Litric
Elektronisches SystemAvabag Litric ist ein elektronisches System und ein Ergebnis einer Kooperation zwischen Arc'teryx und Ortovox. Das System wiegt 1.100 g – damit ist es eines der leichtesten auf dem Markt. Mehrfache Testauslösungen sind möglich, das System unterliegt keinen Reisebeschränkungen und ist in 25 Minuten via USB-C aufladbar.
