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Europa · Alps

Seven Summits

Ausgabe 2022 · Text: Philipp Reiter · Fotos: Philipp Reiter · 3 min Lesezeit

Seven Summits

Den jeweils höchsten Gipfel der sieben Alpenländer in genau einer Woche auf Tourenskiern besteigen – das war der Plan von vier ambitionierten Abenteurern. Stabile Wetterverhältnisse, gute Bedingungen am Berg, ausreichend Fitness für 16.000 Höhenmeter, wenig Schlaf, viel…

Den jeweils höchsten Gipfel der sieben Alpenländer in genau einer Woche auf Tourenskiern besteigen – das war der Plan von vier ambitionierten Abenteurern. Stabile Wetterverhältnisse, gute Bedingungen am Berg, ausreichend Fitness für 16.000 Höhenmeter, wenig Schlaf, viel Fahrtstrecke und allerlei zusätzliche Schwierigkeiten würden auf das Team zukommen. Monatelang war alles bis ins kleinste Detail geplant worden. Die Ausrüstung wurde viele Male optimiert und neu überdacht. Viele Stunden waren Trainingstouren geopfert worden, Camper und Fahrer waren organisiert, doch dann schlug 12 Stunden vor Abfahrt Corona zu. Aus vier Sportlern wurden zwei, es gab keine fahrbaren Behausungen mehr und auch keine Fahrer.

Es galt, alles neu zu überdenken, neu zu planen, aber der Schweizer Adrian Zurbrügg und Philipp Reiter aus Bayern starteten trotzdem. Und dann wurden aus den veranschlagten sieben Tagen wetterbedingt nur noch fünf. Ein Wettlauf gegen die Zeit, gegen die müden Beine, den rasch schmelzenden Schnee und die sehr wechselhaften Bedingungen im Alpenraum. Der erste Tag auf den höchsten Gipfel Italiens, den 4.061 Meter hohen Gran Paradiso, verlief optimal. Die Beine waren noch frisch, der Schnee etwas hart, aber die Gletscherpassage war nicht allzu eisig, die Schlüsselstelle am Gipfel komplett trocken. Begleitet von Skibergsteigerin Martina Valmassoi war das Team nach knapp 6 Stunden wieder im Tal, gönnte sich jedoch keine Verschnaufpause.

Nachdem das Material neu organisiert war, fuhr der kurzfristig gefundene Fahrer Eugen durch das Aosta Tal direkt nach Frankreich. Nach einer kurzen Nacht in Chamonix brachen Adrian und Philipp um 1:30 Uhr auf, um den 4.810 Meter hohen Mont Blanc zu besteigen, mit knapp 4.000 Höhenmetern einer der längsten Aufstiege der Alpen. Frühlingsgefühle im Tal, riesige Spalten im Mittelteil, gefährliche Séracs und das ewige Eis, gepaart mit dünner Luft und einer herausfordernden Abfahrt. Nur wenige Skibergsteiger trauen sich das als Tagestour zu. Adrian hatte die Passage durch das Labyrinth der Grand Junction vorher genau inspiziert, und so konnten die beiden das Eisfeld ohne Probleme queren.

Trotz wenig Schnee, viel Eis und eisigem Wind erreichten die beiden nach knapp 8 Stunden den Gipfel. Umarmung, Gipfelfoto mit Landesflagge, und schon ging es wieder hinunter. Die Abfahrt war beschwerlich; am Nachmittag ist die Eisschlaggefahr größer, außerdem stand noch die Fahrt nach Zermatt auf dem Plan. Dort klingelte der Wecker wieder um 1:30 Uhr. Der Kopf schmerzte, die Beine meldeten sich ebenfalls. Doch Ausreden gab es nicht. Fast 6 Stunden ging es für die beiden Sportler in kompletter Dunkelheit über lange Gletscherpassagen hinauf zur Monte Rosa-Hütte und weiter Richtung Dufourspitze, dem 4.634 Meter hohen Top of Switzerland. Die Bedingungen waren schlecht: offene Spalten und viel Eis.

An dem schwierigen Schlussanstieg machten sich die Eisgeräte und Steigeisen bezahlt. Die letzten 100 Höhenmeter waren eigentlich eine Mixed-Kletterei. Dafür fiel dann die Firnabfahrt eher leicht aus. Es war fast Halbzeit, denn die Vordere Grauspitze am nächsten Tag mit nur 1.300 Höhenmetern Aufstieg war quasi ein Ruhetag. Doch am Ende kommt alles anders als gedacht... Nach einer längeren Nacht mit 7 statt 4 Stunden Schlaf ging es – begleitet von Local Stephan – auf den höchsten Punkt Liechtensteins. Die Vordere Grauspitze ist ein wirklich schöner Gipfel, der nicht allzu oft bestiegen wird.

Im Aufstieg erzählte Stephan, dass für den in drei Tagen anstehenden Triglav in Slowenien jede Menge Neuschnee vorhergesagt wurde, der die Tour unmöglich machen würde. War das Team so weit gekommen, um jetzt wegen Neuschnee abzubrechen? Unmöglich! Was wäre, wenn man heute noch die Zugspitze und morgen Großglockner und Triglav machen würde? Und dann ging alles sehr schnell: Aus einem entspannten Nachmittag in Ehrwald wurde ein nächtlicher Gewaltmarsch auf die 2.962 Meter hohe Zugspitze. Nach 2 Stunden Schlaf ging es in den frühen Morgenstunden zum Lucknerhaus, wenige Stunden später erreichten die beiden bei bereits leichtem Schneetreiben und eisigen Temperaturen den Großglockner (3.798 Meter).

Nach einer schneelosen Abfahrt ging es gleich weiter Richtung Slowenien. Am späten Nachmittag starteten die beiden aufgrund der akuten Sturmvorhersage die Tour auf den Triglav (2.864 Meter), den letzten Gipfel. Weicher Sulz, ein nicht enden wollendes Tal und extreme Müdigkeit – der letzte Gipfel war der härteste, aber als ihn Adrian und Philipp kurz vor 21 Uhr erreichten, fiel die ganze Anspannung von ihnen ab. Es war geschafft: Alle 7 Summits der Alpen. In nur 5 Tagen!

Seven Summits
© Philipp Reiter
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© Philipp Reiter
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© Philipp Reiter
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© Philipp Reiter
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© Philipp Reiter

Fahrer: Adrian Zurbrügg