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Grönland · Ammassalik Fjord (Kulusuk)

Striking Gold in Greenland

Ausgabe 2012 · Text: Adam Clark · Fotos: Adam Clark · 5 min Lesezeit

Striking Gold in Greenland

Ein winziges Feuer brennt im Schnee, Kartonteile, etwas Müll, ein Buchumschlag und eine Rolle Klopapier. Während unserer letzten Nacht im Lager gehen eine Flasche Whiskey und viele Geschichten in …

Ein winziges Feuer brennt im Schnee, Kartonteile, etwas Müll, ein Buchumschlag und eine Rolle Klopapier. Während unserer letzten Nacht im Lager gehen eine Flasche Whiskey und viele Geschichten in unserer Runde herum. Nach einer Woche auf dem Gletscher und einem weiteren gewaltigen Skitag verbreitet das kleine Feuer Zufriedenheit. Es feiert das Leben am Rand der Eiskappe Grönlands, wo der Kampf ums Überleben genauso offensichtlich wurde wie auch die vielfältigen Möglichkeiten zum Skifahren. Mit 2.166.086 Quadratkilometern ist Grönland die größte Insel, mit nur 57.000 Einwohnern das am wenigsten dicht besiedelte Land der Welt. 81% der Insel bedeckt eine Eisdecke, die sich durch riesige Gebirgsketten schiebt und so schwer ist, dass sie Teile der Landmasse bis 300 Meter unter den Meeresspiegel drückt.

Als ich im Mai 2011 mit den Rocky Mountain Sherpas nach Südostgrönland eingeladen wurde, wusste ich nur, dass es dort bunte Häuser gab und große Berge mit Schnee. Berge ohne Menschen sind für mich der größte Ansporn zu reisen. Bei dieser Faktenlage war also die Vorfreude groß. Eric Crosland und Dave Mossop wollten für ihren Spielfilm „All I can“ filmen. Ingrid Backstrom, Dana Flahr, Johnny Collinson und Callum Pettit sollten als Athleten vor der Kamera zaubern. Geoff Osler war der Führer, und ich ging als Fotograf mit. Grönland-Bilder erinnerten mich an Alaska mit einer gesunden Mischung Chamonix plus mehr Eis, als ich mir je vorstellen konnte. Dazu unbegrenzte Erstbefahrungsmöglichkeiten, Eisbären und ein paar Grüppchen Inuit.

Als ich ankam, wurde schnell klar, warum so wenige Skifahrer in dieses eisige Paradies aufbrechen. Es gibt keine Billigflüge, die Gebühr fürs Übergepäck kostete mehr als meine ersten Autos und dann noch das beunruhigende Wettergeschehen. Wenigstens aber würde ich einige tolle Bilder von bunten Häusern bekommen. Eric und Dave hatten über Grönland recherchiert und wussten, dass Kulusuk, eine fünf Mal zehn Kilometer große Insel in Südostgrönland, mitten in großartigem Skigelände liegt. Als wir dorthin fliegen, erstreckt sich das Packeis endlos weit. Berge in Pyramidenform ragen aus Ozean, Eis und Land empor. Rinnen und Wände tauchen ganz nahe der Stadt auf. Schließlich erscheint zwischen weißen, windumtosten Gipfeln eine braune Landepiste.

Die kann man nur anfliegen, weil die USA im Zweiten Weltkrieg eine Reihe von Militärstützpunkten aufbaute, die „Dew Line“. Andernfalls gäbe es keinen Flughafen für Kulusuk, ein Dorf mit 278 Einwohnern. Draußen begrüßt uns unser baldiger Freund „G“ mit breitem Lächeln und einem wilden Hundegespann. Fast ohne Englischkenntnisse schnallt er unseren Monsterstapel an Ausrüstung auf einen selbstgebauten Schlitten und saust über den gefrorenen Ozean in die drei Kilometer entfernte Stadt. Einige Stunden später finden wir uns alle vor einem leuchtend blauen Haus wieder – dem Ausgangspunkt für unser Abenteuer. Sofort begrüßen uns die heimischen Kinder, die alles sehen und anfassen und mit der Ausrüstung und uns spielen wollen.

Als die Sonne um etwa 23 Uhr unterzugehen beginnt, decken wir den Boden mit Schlafsäcken ein und schlafen zwölf Stunden lang. Am nächsten Morgen begrüßt uns die Sonne. Wir sind angekommen, wissen aber nicht genau, wohin es gehen wird. Wettervorhersagen in Grönland sind ein schwieriges Geschäft. Wir reisten im Mai und hofften auf eine gute Mischung aus Sonne und Schnee ohne verrückt kalte Temperaturen. Die Einheimischen erzählten von Frühlingsmonaten ohne Sonnenschein, von so viel Schnee, dass die kleine Stadt zum Erliegen kam – und vom „Peterlick“-Wind. Immer wenn es im Frühling wärmer wird, bläst die kalte Luft von der Eiskappe zum Ozean hinunter, bis zu vier Tage lang, mit konstanten Windgeschwindigkeiten von über 160 Kilometern pro Stunde und Temperaturen von minus 45 Grad Celsius.

Grauenvolle Geschichten von Leuten, die dann auf der Eiskappe stecken geblieben waren, ängstigten uns alle. Glücklicherweise landeten wir bei Sonne, warmen Temperaturen und einer netten kleinen Brise. Die Aussicht auf noch mehr Sonne trieb uns auf der Suche nach den perfekten Bergen weiter landein. Wir kehrten mit dem größten Teil unserer Ausrüstung zum Flughafen zurück. Mit der „Dew Line“ war auch Arvid nach Kulusuk gekommen, hatte den Flughafen 30 Jahre lang überwacht, dann eine Einheimische geheiratet und sich hier zur Ruhe gesetzt. Der einzige nicht-einheimische Vollzeitbewohner war auch der einzige Taxifahrer der Insel und unentbehrlich.

Er lieh uns Leuchtsignale, den einzigen legalen Schutz vor Eisbären, und brachte unsere Ausrüstung in einem uralten Land Rover zum Flughafen. Das wunderbare Skigelände rund um Kulusuk war uns bewusst, doch wir erwarteten Größeres, Besseres. Den einzig vernünftigen Weg, tiefer in die Berge vorzudringen, bot der Helikopter. Es dauerte nicht lange, bis Dave und Eric einen perfekten Bergkessel für unser Basislager fanden. Um 18 Uhr, bevor noch die erste Tasche ausgepackt war, zog jeder Felle auf und nahm die Stative heraus. Die Sonne war noch nicht untergegangen und Pulverschnee glitzerte überall um uns. Erst nachdem die ersten Linien „im Kasten“ waren, bauten wir schnell das Lager auf, während es um uns immer kälter wurde.

Die nächsten sieben Tage vergingen wie im Flug damit, Felle auf- und abzuziehen, über Bergkämme zu steigen, Kurven zu fahren und unsere Grönlandfantasien zu dokumentieren. Die Sonne schien nur an zwei Vormittagen nicht. Alle kamen auf ihre Kosten – nordseitig mit Pulverschnee, südseitig mit körnigem Firn. Wir erkundeten das Gelände hinter unserem Bergkamm, fanden längere Rinnen und hatten kaum genügend Zeit, um zu kochen und zu schlafen. Als klar wurde, dass unsere Vorräte nicht mehr lange reichen würden, falls ein Sturm aufkäme, erinnerten wir uns an die Geschichten der Einheimischen und verließen unsere Traumwelt. In Kulusuk nahm das kleine blaue Heim uns noch einmal auf.

Wir vertrieben uns die Zeit mit lokalen Skitouren, Sightseeing und Sonnenuntergängen, als das Wetter umschlug. Schnell verstanden wir, was „normales“ Wetter bedeutet. Unser Vorrat an Bier, Chips, Zeitschriften und Büchern schrumpfte, während der Regen auf das kleine blaue Haus niederprasselte und das schlechte Wetter unseren Rückflug verzögerte. Als schließlich unser Wetterfenster kam, kehrten wir alle nach Hause zurück, voller Sympathie für Grönlands Berge und Menschen.

Striking Gold in Greenland
© Adam Clark
Striking Gold in Greenland
© Adam Clark
Striking Gold in Greenland
© Adam Clark
Striking Gold in Greenland
© Adam Clark
Striking Gold in Greenland
© Adam Clark

Fahrer: Dana Flahr, Johnny Collinson, Callum Pettit, Ingrid Backstrom, Geoff Osler

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