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Österreich · Stubai Alps

A Class of its Own

Ausgabe 2023 · Text: Heinz Zak · Fotos: Heinz Zak · 4 min Lesezeit

A Class of its Own

Die Überschreitung des Stubaier Dreigestirns Zuckerhütl – Wilder Pfaff – Wilder Freiger zählt zu den schönsten und anspruchsvollsten Skitouren Tirols. In Kombination mit den Stubaier Gletscherbahnen …

Die Überschreitung des Stubaier Dreigestirns Zuckerhütl – Wilder Pfaff – Wilder Freiger zählt zu den schönsten und anspruchsvollsten Skitouren Tirols. In Kombination mit den Stubaier Gletscherbahnen spart man Höhenmeter, ein sehr langer Tag ist aber dennoch garantiert. Unser Tag beginnt etwas unglücklich. Peter kommt eine halbe Stunde zu spät, was im späteren Verlauf für Unannehmlichkeiten sorgen wird. Um Zeit gut zu machen, lassen wir das Auto nicht im Stubaital am Parkplatz für die Nürnberger Hütte, sondern fahren zur Gletscherbahn. Reibungslos kommen wir mit der Gondel zum Eisgrat. Wir fahren ab und nehmen den Sessellift zum Fernaujoch.

Von dort kann man sich die Abfahrt vom Schaufeljoch in die Grube südwestlich des Pfaffenferners sparen, allerdings sind sichere Schneeverhältnisse für die Querung der steilen Hänge nötig, die heute bockhart gefroren sind und uns schnell an eine kleine Mulde bringen, aus der wir über eine steilere Rippe zum flachen Pfaffenferner aufsteigen. Wir liegen wieder im Zeitplan und gehen locker Richtung Pfaffennieder, dem Übergang zum Sulzenauferner. Was für ein Tag! Sonne, keine Wolken, kein Wind, die Temperatur optimal zum Gehen und traumhaft sichere Schneeverhältnisse. Mühelos erreichen wir die Schulter östlich des Zuckerhütl. Nach einer Jause stapfen wir auf der ausgetretenen Spur die teils 40 Grad steile Nordflanke mit Steigeisen und Pickel hinauf.

Keine 15 Minuten später stehen wir nahezu alleine auf dem höchsten Berg der Stubaier Alpen und genießen den fantastischen Rundumblick von den Dolomiten zu den Ötztalern, bis hin zu Karwendel und Zillertalern. Schnell sind wir zurück am Skidepot, fahren die wenigen Meter ab Richtung Wilder Pfaff. Hier bietet bei unsicheren Verhältnissen der unbequemere Aufstieg durch die steile Westflanke den sichersten Weg. Heute aber erlauben uns die Schneeverhältnisse den Aufstieg über die steile, teils ausgesetzte Nordflanke. Den Gipfel erreichen wir um 14 Uhr. Der Blick hinunter über den felsigen und verschneiten Ostgrat ist respekteinflößend. Fürs Abseilen sollten wir höchstens eine Stunde benötigen.

„Mit zwei 60-Meter Seilen sollten wir direkt in die Ostflanke kommen.“ Wir können sie allerdings nur wenige Meter werfen, bevor sie sich in den Felsen verfangen. Peter seilt ab und verheddert sich in ein Seilchaos. Ich kann nur teilnahmslos zuschauen, wie er mit stoischer Ruhe mit den Seilen kämpft. Letztendlich benötigt er eine Stunde für die Strecke. Als ich ihm folge, verhakt sich ein Seil beim Abziehen an einem Felszacken. Also muss ich 20 Meter ohne Sicherung hinauf und wieder hinunterklettern. Mittlerweile ist es 16 Uhr. Mit Steigeisen steigen wir weiter ab, bis wir endlich auf dem Übeltalferner abfahren können.

Die Temperatur sinkt auf -10° Celsius und ein bissiger Wind kommt auf, der uns fast von selbst über den flachen Gletscher schiebt, bis wir nach kurzer Abfahrt in der Mulde zwischen Müllerhütte und Becherhaus stehen. Als wir für den Aufstieg zum Gipfel des Wilden Freiger auffellen, verschwindet die Sonne am Horizont. In der Südflanke ist kein Handynetz. Wir wollten um 18 Uhr zurück in Innsbruck sein. Als ich Punkt 18 Uhr am Gipfel ankomme, ist es stockdunkel. Ich rufe zuhause an und sage, dass wir zwischen 21 und 22 Uhr im Tal sind. Mit Steigeisen geht es über den stockdunklen Grat Richtung Ostflanke. Per GPS überprüfen wir immer wieder unsere Position, um nicht zu weit in die gefährlich steilen Gletscherschliffe abzusteigen.

Langsam stochern wir 300 Höhenmeter abwärts und finden glücklicherweise die Querung nach Norden. Endlich können wir anschnallen und vorsichtig im Schein der Stirnlampen abfahren. An der Nürnberger Hütte angekommen, erwägen wir zu übernachten. Doch wir haben kein Handynetz und unsere Frauen warten. Über den steilen Hang unterhalb der Hütte gelangen wir in die enge Schlucht mit ihrem Bach, der an vielen Stellen offenliegt – skitechnisch die anspruchsvollste Passage der ganzen Überschreitung. Glücklicherweise wird die Schlucht bald breiter und wir erreichen die Bsuchalm. Vom Fahrweg aus rufen wir ein Taxi, das uns schließlich zur Bergbahn bringt, wo unser Auto steht.

Ein Monat später mache ich die Überschreitung noch einmal mit meinem Neffen Christoph Decker. Diesmal lassen wir keine unnötige Zeit liegen, sind bereits mittags am Wilden Pfaff und bleiben bei den Abseilstellen so lange am Grat, bis wir bequem mit Steigeisen in die Ostflanke queren und absteigen können. Früh genug sind wir am Gipfel des Wilden Freiger und können bei guten Schneeverhältnissen die Ostflanke und die Bachschlucht abfahren. Kurz vor dem Dunkelwerden sind wir im Tal. Alles anders, doch eines ist gleich geblieben: Diese Überschreitung ist absolute Extraklasse!

A Class of its Own
© Heinz Zak
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© Heinz Zak
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© Heinz Zak
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© Heinz Zak
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© Heinz Zak

Fahrer: Christoph Decker, Heinz Zak, Peter

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