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Italien · Dolomites (Tre Cime di Lavaredo)

A Winter Day in Tre Cime di Lavaredo

Ausgabe 2020 · Text: Alice Russolo · Fotos: Martin Fiala · 5 min Lesezeit

A Winter Day in Tre Cime di Lavaredo

Wenn ich einen Skitourentag plane, sind die Schneebedingungen, die Reiseroute und die Freunde, mit denen ich Ski fahre, von großer Bedeutung für mich. An einem Tag Anfang März waren all diese …

Wenn ich einen Skitourentag plane, sind die Schneebedingungen, die Reiseroute und die Freunde, mit denen ich Ski fahre, von großer Bedeutung für mich. An einem Tag Anfang März waren all diese Faktoren perfekt. Es war schon einige Wochen her, dass Pierre und ich versucht hatten, gemeinsam einen Tag in den Bergen zu verbringen, aber im Januar hinderte uns zunächst der Schneemangel daran. Im Februar waren wir beide mit unserer Arbeit beschäftigt. Aber endlich kam dann alles zusammen und wir wählten die Drei Zinnen Region in den Dolomiten als Spielplatz. Dieses Gebiet ist wunderschön und bietet großartige Möglichkeiten und eine einmalige Landschaft. Man ist von der ersten Minute an von einigen der faszinierendsten Bergen der Alpen umgeben.

Pierre stammt aus dem Aostatal; er ist Skilehrer und Fotograf. Er ist aber auch ein Powderjunkie. Ich heiße Alice und bin Sportfotografin, komme aus dem Trentino und bin begeisterte Skitourengeherin. Ich liebe es, die wunderschönen, weniger bekannten Ecken allseits bekannter Orte zu erforschen. Die Drei Zinnen waren mir schon immer als beliebtes, geschichtsträchtiges Klettergebiet bekannt. Im Winter hatte ich sie nie in Betracht gezogen. Am Abend vor unserer Tour gingen wir mit Gabriel, der für die Ferienregion Drei Zinnen arbeitet, aus. Gabriel ist ebenfalls ein leidenschaftlicher Skitourengeher. Wir hatten uns kein Tourenbuch für die Region gekauft; wir fragten einfach Gabriel, wohin es gehen sollte.

Der Plan ist, ziemlich früh aufzustehen, ein Auto in Misurina stehen zu lassen und mit dem zweiten zum anderen Ende der Tour zu fahren. Die Runde würde insgesamt 15 km lang sein, mit 800 Höhenmetern Aufstieg und 1.200 Metern Abfahrt. Wenn das Bergab das Bergauf übertrifft, hat man schon gewonnen. Da es nur wenige Tage vor unserer Ankunft geschneit hat, ist die Aussicht am frühen Morgen unbezahlbar: blauer Himmel und Neuschnee. Auf dem Weg bleiben wir einige Male stehen, um Fotos zu machen. Rechts von uns liegt die Cadini-Gruppe. Während wir uns der Auronzo-Hütte nähern, erscheint die Südwand der Drei Zinnen zu unserer Linken. Der Weg, dem wir nach oben folgen, ist im Sommer die einzige Straße, die zur Hütte führt.

In der Gegend gibt es viele gute Rinnen, und wir entscheiden uns für das Couloir zwischen dem Westturm und der Cima Lavaredo. Wir sind allein. Vor uns befindet sich eine andere Gruppe, aber sie gehen einen anderen Weg. So viele Möglichkeiten am selben Ort erhöhen die Chance, allein zu bleiben. Das ist wahrscheinlich das, wonach jeder Skitourengeher sucht. Keine Menschenmassen, keine ausgetretenen Aufstiegsspuren. Powder und Ruhe. Nur das Geräusch des Neuschnees unter dem Ski. Auf dem Weg durch das Couloir nach oben schnallen wir die Skier an unsere Rucksäcke. Der Schnee ist weich, und obwohl Pierre und ich alles andere als schwer sind, kommen wir nur langsam voran. Der Schnee ist tief, teilweise bis weit über die Knie.

Als wir oben ankommen, ist es windig. Wir machen schnell ein Selfie und ziehen die Felle von den Skiern. Es ist Zeit, Spaß zu haben! Das Couloir ist unberührt. Pierre macht den ersten Schwung, ich folge ihm. Beim Skifahren ist dies genau der Moment, der niemals enden soll; man möchte, dass der Hang länger ist. Oder man hält an, sieht zurück auf die eigene Linie, zieht die Felle wieder auf und steigt noch einmal hoch. Aber unser Tag ist noch lange nicht zu Ende, kein Grund zur Eile. Die Sonne scheint. Wir machen eine kleine Pause. Ein Schluck heißer Tee, ein Panini und noch ein paar Fotos. Ein schöner Augenblick, um die Umgebung zu genießen.

Vor uns – wir sind mittlerweile auf der anderen Seite, unter der Nordwand der Drei Zinnen – tauchen weitere Gipfel auf. Es handelt sich um den Gebirgszug der Dreischusterspitze. Wir können die Spuren anderer Skifahrer auf der Schusterplatte, einer beliebten Backcountry-Tour, erkennen. Wir halten an einer kleinen Hütte. Wir sprechen über das Leben, unsere Pläne, die Abenteuer, die wir erlebt haben, und darüber, was wir in den nächsten Monaten tun möchten. Wir diskutieren über Schnee und Wetterbedingungen. Dieses Mal hatten wir Geduld. Wir mussten diesen Tag zweimal verschieben, aber das war es wert. Der heutige Tag ist perfekt. Es ist gut, neue Orte kennenzulernen. Man genießt dann auch die Natur, nicht nur das Skifahren selbst.

Man schenkt der Umgebung mehr Aufmerksamkeit, wählt sich das nächste Couloir aus, plant und träumt schon vom nächsten, bevor der Tag zu Ende geht. Auf uns warten jetzt noch 800 Meter Abfahrt. Der Hang ist nach Nordwesten ausgerichtet, die Aussicht wieder ganz anders. Wir sind im Rienztal. Die Abfahrt davor war dolomitentypisch – mit Felsen überall um uns herum. Jetzt befinden wir uns in einem weit geöffneten Hang. Wir fahren auf einen der hier eher seltenen Wälder zu, danach in eine breite Schlucht mit kleinen Kiefern und Büschen, nicht zu steil und nicht zu flach, perfekt für weite Schwünge und Sprünge über umgestürzte Bäume, die für perfekte Pillows sorgen. Es macht so viel Spaß! Und auch der Schnee ist perfekt – weich und pulvrig.

Diesmal fahre ich zuerst, setze einen Schwung nach dem anderen und lächle unter meiner Skibrille. Auch der ein oder andere Freudenschrei entfährt mir völlig unbewusst. Bis zum Auto ist es noch weit. Wir folgen dem Fluss Rienz. Das Gelände ist ziemlich flach, wir können die Umgebung genießen, müssen aber nicht schieben. So erreichen wir auf Ski unseren Pickup und danken Gabriel im Geiste für die tolle Tourenempfehlung und den strategisch günstigen Parkplatz vor dem Restaurant Lago di Landro. Wenn man andere Orte und Länder entdecken möchte, muss man auch die lokale Küche mit einbeziehen: Auf uns warten Apfelstrudel und Kaiserschmarrn. Und natürlich ein wohlverdientes, frisch gezapftes Bier.

A Winter Day in Tre Cime di Lavaredo
© Martin Fiala
A Winter Day in Tre Cime di Lavaredo
© Martin Fiala
A Winter Day in Tre Cime di Lavaredo
© Martin Fiala
A Winter Day in Tre Cime di Lavaredo
© Martin Fiala
A Winter Day in Tre Cime di Lavaredo
© Martin Fiala

Fahrer: Pierre Lucianaz, Alice Russolo

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