BACKLINE Magazin
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Anton Brey

Ausgabe 2014 · Text: Wolfgang Greiner · Fotos: Anton Brey · 4 min Lesezeit

Anton Brey

Der Fotograf Anton Brey: Vom Extremskifahrer zum Outdoor-Fotografen – ein Porträt.

Es ist wirklich nicht einfach, den Fotografen Anton Brey zu erreichen, denn meistens ist er irgendwo auf der Welt in den Bergen unterwegs. Rund ums Jahr, im Winter ebenso wie im Sommer. Wenn man seine Handynummer wählt und er abhebt, ist es gut möglich, dass er gerade auf seinem Mountainbike sitzt oder auf einer Skitour unterwegs ist. Trifft man ihn dann doch einmal persönlich, sieht man sofort, dass es sich bei Anton um einen echten Naturburschen handelt. Der Vergleich mit dem Mann aus den Bergen – aus der gleichnamigen Fernsehserie, die Ende der 1970er lief – ist nicht abwegig: Mit seinem Vollbart, dem von der Sonne gegerbten Teint, dem entspannten Lächeln auf dem Gesicht und seiner ruhigen, sonoren Stimme scheint es, als könnte diesen Mann aus Garmisch-Partenkirchen nichts aus der Ruhe bringen.

Anton Brey Nach seiner Teilnahme beim WESC (World Extreme Skiing Championships) 1991 in Valdez, Alaska, versuchte Anton Brey, durch diese Art des Skifahrens an Sponsoren zu kommen. Snowboarden, damals deutlich angesagter, war nicht sein Ding. Geboren im Schatten der Zugspitze, wurden dem GarmischPartenkirchener das Skifahren und die Liebe zu den Bergen bereits in die Wiege gelegt. Als 1996 Europas erster Freeski-Contest, der Red Bull Snowthrill of Chamonix, stattfand und aus Extremeskiing „Freesking“ wurde, nutzte Anton die Unterstützung durch K2 Skis und Marker Bindungen, um seinen Lifestyle bei den immer häufiger stattfindenden Events voll auszuleben.

Schon damals interessierte Anton auch „die andere Seite“, die des Fotografierens, bis ihm die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machte. Nach einem Bandscheibenvorfall entschloss sich Anton zu einer Umschulung zum Mediengestalter und machte ein Volontariat beim GAP 1328 Summer Camp auf der Zugspitze und ein Print-Praktikum bei einer Werbeagentur. „Tja, und dann bin ich in der Agentur von Nic Nagel hängen geblieben“, erinnert sich Anton. Nagel brachte damals das Magazin „Poachers“ heraus und übertrug Anton das Projekt. Anton kümmerte sich nicht nur um die Grafik, er produzierte auch Inhalte und erarbeitete sich einen Ruf als zielstrebiger und dennoch entspannter Mitarbeiter.

So fotografierte er für das Heft und gestaltete es ein paar Jahre erfolgreich, bis er beschloss, im Winter nur noch draußen zu sein und zu fotografieren. Seit 2009 arbeitet Anton von Mai bis Dezember in der Agentur, im Winter sind die Berge sein Büro. Dabei ist seine Mobilität im Gebirge von Vorteil. „Andere kommen nicht an die Orte, an denen ich fotografiere“, erklärt er. Toni braucht niemanden, der ihm sagt, wo es lang geht. Der ausgebildete Bergwachtmann ist immer autark mit seinen Fahrern unterwegs. „Ich war vier Jahre bei der Bergwacht und bleibe immer auf dem aktuellsten Stand.“ Das ist für ihn selbstverständlich, verbringt er im Winter doch bis zu 80 Tagen auf Ski und im Sommer jede freie Minute auf dem Mountainbike.

Das ist einerseits notwendig, um fit zu bleiben – „sonst hältst du nicht mit, wenn du mit den Sportlern unterwegs bist“ –, andererseits schärft es Verstand und Aufmerksamkeit. Denn gefährliche Situationen bleiben bei diesem Leben nicht aus. Erlebnisse, aus denen man lernt. Als Anton 2009 mit dem Bayerischen Rundfunk in der Bernina unterwegs war, erfasste ihn eine Lawine. Anton wurde geborgen und überlebte. Doch das war nicht die schlimmste Erfahrung. Ein Jahr zuvor kam bei einer Tour in Norwegen ein Bekannter ums Leben. „Als Fotograf, der kurz danach wieder raus muss, lernst du, das Erlebte umzusetzen“, sagt er nachdenklich. „Du wirst aufmerksamer, entwickelst Bauchgefühl, triffst Entscheidungen anders.

Dazu gehört auch, dass du ‚Stop’ sagst und umdrehst.“ Denn gerade beim Fotografieren sind die Sinne oft abgelenkt. „Nach derartigen Erfahrungen lernst du, alles im Auge zu behalten, nicht nur das Motiv im Sucher. Was man erlebt oder überlebt, macht einen reifer.“ In der Gruppe ist seine Einschätzung der Verhältnisse immer gefragt. „Man muss miteinander reden, Schneeprofile graben, die Situation einschätzen. Und wenn der Fotograf nein sagt, dann gibt es auch noch einen anderen Tag fürs Foto.“ Die meisten seiner Geschichten entstehen in Eigenregie. Gemeinsam mit Skiprofis wie Martin Fiala oder Eva Walkner geht Anton im Winter auf Reisen, fotografiert und bietet die fertigen Artikel Magazinen an.

Dabei bleibt leider auch das ein oder andere unveröffentlicht. So wie eine Produktion im Iran, die er als eines seiner Highlights sieht und die noch auf Abnehmer wartet. Auch in der näheren Umgebung gab es schon spezielle Jobs, darunter die Reportage über die Hornbachkette, die in der ersten Ausgabe von BACKLINE erschien. Auf die Frage, ob er vom Fotografieren leben kann, antwortet Anton: „Auf jeden Fall, aber nicht ohne feste Engagements wie Eventfotografie oder Shootings für Firmen. 80 Prozent meiner Zeit verbringe ich im Winter hinter der Linse.“ Wie die Winter könnte er auch seine Sommer bestreiten, „aber dann wäre ich ja nur noch unterwegs“.

Und ein bisschen Zeit für seine Frau, den 20-jährigen Sohn und seine Hobbies wie das Motorradfahren will er dann doch noch haben. Deswegen fotografiert Toni von Mai bis Dezember nur rund 20 Prozent seiner Zeit, den Rest arbeitet er in der Agentur. Und dennoch: „Auch wenn ich privat unterwegs bin, habe ich immer die Kamera dabei, checke Locations und hole mir Ideen. Im Sommer sehe ich mir das Gelände an. So weiß ich, was mich im Winter erwartet.“ Anton hofft, den Job noch möglichst lange machen zu können. „Arbeit ist immer da, aber die Frage ist, wie lange man es gesundheitlich durchsteht. Darauf habe ich keinen Einfluss. Und die Konkurrenz schläft auch nicht.“

Für diesen Winter plant er erst einmal eine Story mit Eva Walkner in Liechtenstein und eine Reihe von Freeride-Events. Und er würde gerne im sagenhaften japanischen Tiefschnee fahren. Sollte dennoch einmal Schluss sein mit den Abenteuern, würde er sich vielleicht mehr aufs Grafikdesign konzentrieren. „Und sonst gibt es ja noch Hochzeiten und Ferienwohnungen, die man fotografieren kann“, ergänzt er lächelnd. Aber dann wäre er nicht mehr so viel draußen, wäre nicht mehr unterwegs und würde weniger interessante Menschen kennenlernen – eine Vorstellung, die Anton gar nicht gefällt. Das würde auch nicht zu ihm passen – er ist und bleibt ein Mann der Berge.

Anton Brey
© Anton Brey
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