Kanada · Rossland Range (Monashee Mountains)
Champagne Powder
Ausgabe 2020 · Text: Christoph Johann · Fotos: Christoph Johann · 4 min Lesezeit

Eisige Kälte. Endlose Weiten. Verschneite Bäume. Steile Abfahrten. Metertiefer Schnee. So habe ich mir den Winter in British Columbia vorgestellt. Angefangen hatte meine Reise im August 2018. Es ging …
Eisige Kälte. Endlose Weiten. Verschneite Bäume. Steile Abfahrten. Metertiefer Schnee. So habe ich mir den Winter in British Columbia vorgestellt. Angefangen hatte meine Reise im August 2018. Es ging auf große Rundfahrt durch den Westen Kanadas, angetrieben vom Traum, bis zum Winter zu bleiben und endlich das Erlebnis „Skifahren in BC“ zu realisieren. Zunächst ging es mit dem Camper Van von Vancouver bis nach Alaska. Im Oktober befand ich mich auf dem Weg zurück nach British Columbia im Yukon. Eines Abends kam ich dort mit dem Wirt einer Lodge ins Gespräch. Er erzählte mir begeistert von dem kleinen Skiort im Süden von British Columbia. Er musste mich nicht weiter überzeugen.
Meine Entscheidung stand schnell fest: Das Örtchen Rossland sollte mein Zuhause für den kommenden Winter werden. Der kleine Skiort liegt neun Stunden Autofahrt östlich von Vancouver, direkt an der Grenze zu den Vereinigten Staaten. Ursprünglich war Rossland durch den Goldrausch 1897 eine der größten Städte im westlichen Kanada. Daher auch der Spitzname „The Golden City“. Heute leben nur 3.500 Menschen in dem entlegenen Ort. Kein Mensch landet hier zufällig. Das deutet normalerweise daraufhin, dass ein Ort hauptsächlich aus sehr passionierten Skifahrern und Snowboardern bestehen müsste, was sich in Rossland auch sehr schnell bestätigt. Fiel während meines Aufenthalt kein Schnee, war die Stimmung in der Stadt am Boden.
Rieselte es vom Himmel, spürte man förmlich die Aufregung der Bewohner. Glücklicherweise gehört der Westen Kanadas zu den niederschlagsreicheren Regionen. Der Himmel auf Erden. Rossland und somit die Rossland Range sind Teil der Monashee Mountains. Eine große Bergkette, die sich bis nach Washington State erstreckt. Mit 2.376 Metern ist der Old Glory Mountain der höchste Berg des Gebirgszuges. Weitere eindrucksvolle und bei den Locals beliebte Berge sind der Red Mountain, der Granite Mountain, der Grey Mountain, der Mount Roberts, der Record Mountain, der Mount Kirkup, der Mount Lepsoe und der Mount Plewman. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos, egal ob für entspannte Treeruns, halsbrecherische Couloirs oder Mehrtagestouren mit Hüttenübernachtung.
Eine meiner Lieblingstouren war die Tour auf den 2.241 Meter hohen Mount Plewman. Diese Tour bot ein perfektes Naturerlebnis. Los geht es auf 1.500 Metern. Die ersten Stunden steigt man im engen Wald auf, nach einiger Zeit lichtete sich der Wald und man sieht endlich das Ziel: Das östliche Face des Mount Plewman. Um dort hinzugelangen, tourten wir entlang der sogenannten „Unnecessary Ridge“. Der Name rührt wohl daher, dass das Gelände nur an sehr wenigen Stellen befahrbar ist. Als wir oben an dem Grat des Plewman ankamen, trauten wir unseren Augen kaum: Old Glory Mountain in seiner vollen Pracht. Was für ein Ausblick! Wir sahen den Gipfel für ein paar Minuten, bevor die nächste Nebelwand alles unter sich begrub. Ein echtes Naturspektakel.
Es war eisig kalt und windig auf dem Grat. Dank Windchill Faktor fühlten sich -8 Grad Celsius wie -20 Grad Celsius an. Entsprechend sah auch die Landschaft aus: Die typisch kanadischen Bäume, blaue Douglasien, sahen wie umgedrehte Eiszapfen aus. Snow Ghosts nennt man das hier. Vom Gipfel aus erwartete uns ein offener Run mit vereinzelten, eingefrorenen Bäumen. Der Schnee war ostseitig nicht vom Wind beeinträchtig und hüfttief. Kanada in Perfektion! Eineinhalb Stunden nördlich von Rossland entfernt befindet sich Nelson und sein Skigebiet, Whitewater. Diese Touring-Region bietet steile Abfahrten mit teilweise unglaublichen Pillowlines, wie man sie bisher nur in Skifilmen gesehen hat. Hier scheint es keine Grenzen zu geben.
Allerdings sollte man seine Linie sorgfältig auswählen, ansonsten endet das Abenteuer schnell in der Notaufnahme des Krankenhauses. Ein weiteres, bekanntes Tourengebiet ist die Gegend rund um den Kootenay Pass. Der höchste Pass in British Columbia liegt auf dem Highway 3, eine Stunde östlich von Rossland in den Selkirk Mountains. Ohne Schneeketten sollte man den Ausflug hier hinauf nicht wagen. Es gibt wohl kaum einen schneesichereren Ort als den Kootenay Pass. Durch seine geografische Lage halten sich die Stürme dort länger und sorgen für ordentliche Schneefälle. Ein Eldorado für jeden Backcountry-Skifahrer. Die hervorragende Schneequalität in den Bergen British Columbias war für mich ein ganz besonderes Erlebnis.
Ich bin mit einer völlig anderen Vorstellung auf diese Reise gegangen. Erwartet hatte ich eigentlich extrem tiefen Schnee, wöchentliche Dumps mit wahnwitzigen Vorhersagen. Zwei Meter Neuschnee über Nacht und so. Aber ich hatte mich geirrt. Traumhaft war es dennoch. In British Columbia gibt es nur sehr selten richtig fette Schneefälle. Dafür schneit es aber kontinuierlich in geringen Mengen, wobei das Thermometer so gut wie immer unter 0 Grad Celsius bleibt. Dieses Wetter sorgt selbst an sonnigen Frühlingstagen für trockene, weiche Schneebedingungen. Oder wie man hier gerne behauptet: „Champagne Powder!“ Viel wichtiger als der Schnee waren für mich aber die Menschen, die ich auf meiner Reise durch die Monashees kennenlernen durfte.
Menschen mit einer sehr offenen, alternativen Lebensweise. Menschen mit Liebe zur Natur. Menschen mit einer großen Passion: Backcountry Skiing.





Fahrer: Jeff Ashton, Simon Hillis, Orion Humphreys, Haley Lipp, Jonathan Rollins, Hannah Stephan



