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Kanada · Whistler Mountains

Eric Hjorleifson

Ausgabe 2021 · Text: Martin Fiala · Fotos: Robin O'Neill · 5 min Lesezeit

Eric Hjorleifson

Eric Hjorleifson, oder einfach nur Hoji, ist Mitte dreißig, lebt in Whistler in British Columbia, Kanada, und war an der Entwicklung des Backcountry-Skischuhs beteiligt, der seinen Namen trägt und …

Eric Hjorleifson, oder einfach nur Hoji, ist Mitte dreißig, lebt in Whistler in British Columbia, Kanada, und war an der Entwicklung des Backcountry-Skischuhs beteiligt, der seinen Namen trägt und für viele ein wahres Meisterwerk ist. Wenn ich mir die vielen Skifilme anschaue, in denen er in den letzten zehn Jahren mitgespielt hat, und sehe, wie er verrückte Linien fährt und es dabei mühelos aussehen lässt, dann zaubert er mir immer wieder ein breites Lächeln ins Gesicht. Genug Gründe, um ihn ganz oben auf meiner Liste für ein Feature in dieser Ausgabe von BACKLINE zu haben. Als wir den Videoanruf vereinbarten, planten wir ein Treffen von etwa 30 Minuten.

Am Ende haben wir uns fast zwei Stunden lang unterhalten, und es fühlte sich trotzdem nur an wie ein kurzes, zehnminütiges Gespräch. Hoji, danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Gibst Du uns einen Überblick über die wichtigsten Momente Deiner Skikarriere? Meine Karriere begann mit Dreharbeiten bei Matchstick. Einer der wichtigsten Momente war die jährliche Tour im Januar 2010 zu den Golden Alpine Holidays Meadow & Sentry Lodges in British Columbia. Damals waren wir mit Tourenadaptern für Alpinbindungen unterwegs. Zum Glück war ich in meinen Zwanzigern und kräftig. Das Skitourengehen machte es mir möglich, unberührte Linien zu erreichen und zu fahren.

Tourenbindungen waren zu dieser Zeit in Europa bereits etabliert, in Kanada aber eher mit mehrtägigen Hüttentouren, Guiding und riesigen Rucksäcken verbunden. All die technischen Möglichkeiten kennenzulernen, während ich mehr und mehr mit Skitourenausrüstung fuhr, war ein wichtiger Wendepunkt in meiner Karriere und hat meinen Weg bestimmt. Was war Deine Hauptmotivation, diesen Weg einzuschlagen? Ich habe Jahre meiner Karriere damit verbracht, mit Hubschraubern und Schneemobilen zu tollen Linien zu kommen. Das ist fantastisch, aber auch sehr frustrierend. Ich mag den Lärm nicht. Ich möchte in der Wildnis Ski fahren und es genießen. Aber man hört nur diesen Lärm, riecht das Benzin; das hasse ich daran.

Als wir begannen, selbst aufzusteigen, wurde mir klar, dass das die einzige echte Methode für mich ist. Wie bist du mit dem zusätzlichen Risiko umgegangen, das beim Aufstieg plötzlich allgegenwärtig ist? Zurückblickend denke ich, dass ich hunderte Male einfach Glück hatte, weil ich es nicht besser wusste. Skitourengehen ist ein ständiger Lernprozess. Es gibt keine Ausreden. Ich hatte das große Glück, in den kanadischen Rockies aufzuwachsen und mit Leuten Ski zu fahren, die zehn Jahre älter waren und Erfahrung hatten. Sie waren alle im Begriff, entweder Skiführer, Lawinensprenger oder Lawinenhelfer zu werden. Ich hatte immer die besten Mentoren um mich herum.

Heutzutage kann jeder hervorragende Informationen im Internet finden; alles ist offen zugänglich und progressiv. Auch die Skiführerszene wird größer und ist sehr hilfsbereit. Die Entwicklung des Canadian Ski Guiding ist fantastisch. Sie legen großen Wert auf die pädagogische Komponente des Guidings, die anderen den Zugang zum Backcountry ermöglicht und das Ganze sicherer macht. Welche Ziele verfolgst du derzeit als Skitourengeher? Ich bin eher Opportunist, nicht mehr so sehr auf ein Ziel fixiert. Ich weiß mittlerweile, dass das Skifahren im Backcountry sehr von den Bedingungen abhängt, also konzentriere ich mich darauf, die Bedingungen so gut wie möglich zu verstehen. Und wenn alles passt, weiß ich die Momente zu schätzen und nutze sie aus.

Sagen wir, ich bin ein bisschen verwöhnt. Da ich in Whistler wohne, habe ich das Glück, in einem Gebiet zu leben, in dem man gut Ski fahren kann und oft gute Bedingungen vorfindet. Was bedeutet es für Dich, in die Ausrüstungsentwicklung involviert zu sein? Was das angeht, habe ich gerade mal an der Oberfläche gekratzt. Ich habe letzten Sommer wie verrückt gearbeitet, bin Anfang August nach Europa, blieb bis Anfang Oktober und habe jeden Tag an der Entwicklung eines Schuhprototyps gearbeitet. Ich sollte auch jetzt besser in meine Werkstatt gehen und weitermachen. Ich denke, es gibt noch viel Potential für Verbesserung und Fortschritte im Schuhbereich. Ich würde auch gerne mehr mit Bindungen machen.

Aber man muss wirklich ein Ingenieur sein, um da mitzuspielen, weil sie einfach super technisch sind. Ich kann mich im Moment nicht so stark einbringen wie bei den Schuhen. Vielleicht werde ich technisch ja noch besser. Du hast die Wahl: Eine kostenlose Guide-Lizenz oder ein technisches Ingenieurstudium und all das dazugehörige Wissen. Was nimmst Du? Gute Frage. Ich würde mich wahrscheinlich für das Studium entscheiden. Es ist eine schwierige Entscheidung, denn als Bergführer arbeitet man in den Bergen, was ich liebe. Ich habe zwar keine Ausbildung zum Bergführer gemacht, aber ich habe das Gefühl, dass ich schon einen großen Teil dieser Reise hinter mir habe, so dass ich nicht mehr so lernen müsste, um das nötige Niveau zu erreichen.

Aber ich kann mir vorstellen, dass eine technische Ausbildung später, wenn ich älter bin, tatsächlich mehr Sinn machen würde. Wie schwer ist es, das Gleichgewicht zwischen Entwicklungsarbeit, Dreharbeiten und Privatleben zu finden? Das ist eine der schwierigsten Aufgaben, weil man nur eine begrenzte Zeit im Leben und eine bestimmte Menge an Lebensenergie hat. Ich erinnere mich an das Jahr 2014, als ich mit der Arbeit an den Schuhen in Österreich begann und den ganzen Februar mit der Entwicklung verbrachte. Ich glaube, ich bin zum ersten Mal in meinem Leben nur einmal Ski gefahren. Ich meine, welcher Profi-Skifahrer nimmt sich im Februar eine Auszeit vom Skifahren? Mental war das interessant.

Filmemachen ist ein ernsthafter Job, und man muss gut darin sein, um zu überleben, mit anderen zusammenzuarbeiten und auf hohem Niveau abzuliefern. Ich bin Mitte dreißig und entwickle mich weiter. Ich habe eine Frau hier in Whistler und hatte großes Glück, eine Partnerin zu finden, die mich wirklich unterstützt. Ich bin glücklich, all diese unterschiedlichen Facetten ausleben zu können.

Eric Hjorleifson
© Robin O'Neill
Eric Hjorleifson
© Robin O'Neill
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© Robin O'Neill
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© Robin O'Neill

Fahrer: Eric Hjorleifson

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