Österreich · Rätikon / Montafon
End-of-Season Bivouac
Ausgabe 2019 · Text: Sigrid Reusch · Fotos: Torsten Wenzler · 4 min Lesezeit

Erneut wollen wir mit einem Biwak unsere Tourensaison im Montafon beenden. Die gleichnamige WhatsApp-Gruppe stürzt sich motiviert in die Planung, denn in Torstens neuem Pulka ist nicht nur Platz für …
Erneut wollen wir mit einem Biwak unsere Tourensaison im Montafon beenden. Die gleichnamige WhatsApp-Gruppe stürzt sich motiviert in die Planung, denn in Torstens neuem Pulka ist nicht nur Platz für die Ausrüstung, sondern auch für flüssige Vorräte. So beginnt an einem warmen Tag im April die Aktion „Pulkazug am Silvrettastausee“. Anfangs noch leicht, steht bald die Querung eines steilen Hanges auf dem Programm. Mit 50 Kilogramm Zusatzgewicht eine schweißtreibende Aufgabe. Doch bald erreichen wir unseren Schlafplatz mit unvergleichbarem Panorama für die Nacht und genießen ein erstes Belohnungsbier. Gemeinsam lassen wir die Saison Revue passieren. In der Dämmerung schnallen wir noch einmal unsere Skier an.
Zeit, die mystische Stimmung unseres Biwaks einzufangen, um eine großartige Saison zu beenden. Wochenende für Wochenende trafen wir uns diesen Winter im Montafon. Regelmäßige Teilnehmer waren David, Micha, Christi, Torsten und, wenn möglich, kamen Christine, Angi, Lupo, Marita und Dani mit. Jetzt, am Saisonende, haben wir immer noch nicht genug vom Freeriden. Vor unserem „Biwak zum Saisonschluss“ wollen wir noch einmal einige unserer Lieblingstouren wiederholen. Über das Gafierjoch, vorbei am Ionenfürkele, steigen wir zum Madrisajoch auf, wo wir einen faszinierenden Panoramablick auf die Rotbühlspitze, die Schweizer Berge und das Rheintal mit Gipfeln wie den Drei Türmen, der Sulzfluh und der Schesaplana haben.
Zeit, die Felle abzuziehen, und die traumhafte Pulverabfahrt ins Valzifenztal und zurück nach Gargellen zu genießen. Bei Micha bedeutet das, zuerst wie ein Steilwandfahrer an einem zehn Meter hohen Block im rechten Winkel zum Hang zu carven, um danach lange Powderturns zu ziehen. Ein Leckerbissen für unseren Fotografen. Neuer Tag, nächster Lieblingsspot: Novatal. Eine Traumlandschaft mit Felstürmen und weiten Hochflächen. Bereits nach wenigen Minuten abseits des Skigebiets ist man hier meist allein in einer hochalpinen Landschaft unterwegs. Von der Bergstation fahren wir ins Novatal ab, um dann nach einem kurzen Aufstieg zum Matschuner Joch und weiter zum Heimbühljoch zu gelangen.
Von hier bieten sich zig Möglichkeiten wie die langen Abfahrten ins Garnera- oder Vergaldental. Unser Ziel sind aber die Hänge und Rinnen, die zurück ins Novatal führen. Jeder sucht sich seine Linie durch den überraschend pulvrigen Schnee. Neuschnee und blauer Himmel am nächsten Tag. Unser Ziel ist der Breitfielerkopf über Partenen, wo im Winter die Straße endet. Zum Glück gibt es die Vermuntbahn mit dem Tunneltaxi, sehr beliebt bei Tourengehern und bei schönem Wetter sehr frequentiert. Da hilft kein Jammern, wir müssen früh dran sein! Nach kurzer Auffahrt mit der Bahn verzichten wir auf das Taxi und wenden uns rechts dem Wald zu. Anfangs geht es steil aufwärts in das kleine Waldstück. Wir sind die Ersten.
Wir steigen weiter durch Büsche und Bäume, bis wir nach ein paar hundert Höhenmetern bereits mit einem grandiosen Blick über das ganze Montafon bis hinaus ins Rheintal belohnt werden. Der Aufstieg wird immer flacher und alle haben genügend Muße, sich die besten Spots auszusuchen. Heute gehen wir nicht auf den Gipfel, sondern genießen eine Pause unterhalb auf einem kleinen Plateau. Kurz darauf staubt einer nach dem anderen hinab durch den Pulver bis zur verlassenen Bergstation. Ein weiteres tolles Tourengebiet befindet sich rund um die Klostertaler Umwelthütte. Heute nehmen auch wir das Tunneltaxi von der Vermuntbahn Richtung Bieler Höhe auf 2.030 Meter. Eine komfortable Höhe für den Start der Skitour.
Nach dem Neubau eines Pumpspeicherkraftwerkes verlaufen die ersten Kilometer ins Klostertal nicht mehr über den zugefrorenen Silvrettastausee, sondern an der rechten Uferseite. Am Ende des Sees zweigen viele Tourengeher ins Ochsental Richtung Wiesbadener Hütte ab. Dort befinden sich die prominenteren Skitourenziele wie Piz Buin, Schneeglocke, Silvrettahorn und Dreiländerspitze. Wir wählen die deutlich einsamere Variante mit Tagesziel Klostertaler Umwelthütte (2.366 Meter). In den komfortablen Winterraum der Selbstversorgerhütte mit Stube, Schlafraum und Herd gelangt man mit einem Schlüssel, den man sich vorher bei der ÖAV Sektion Bludenz abholt.
Das Touren- und Freeridegebiet rund um die Hütte ist sensationell: Die Übergänge ins Kromertal zur Saarbrücker Hütte, ins Ochsental zur Wiesbadener Hütte oder über die Rote Furka in die Schweiz bieten grandiose Möglichkeiten. Man kann aber auch wie wir spätnachmittags im Verhupftäli schöne Linien ziehen, einen gemütlichen Hüttenabend verbringen und am nächsten Tag weitere lohnende Ziele in der Umgebung angehen. Von Vorteil für die Übernachtung ist ein warmer Schlafsack und ausreichend Verpflegung. Holz zum Heizen des Winterraums ist vorhanden. Womit wir auch fast schon am Ende unserer Reise durchs Montafon angelangt sind. Nun steht uns noch unser „Biwak zum Saisonschluss“ bevor.
Unser Ziel, der Hennekopf im Bieltal, ist, was die Lawinengefahr angeht, ein unproblematischer und sicherer Tourengipfel. An Wochenenden kann es hier schnell voll werden. Das umgehen wir geschickt, indem wir erst spät aufsteigen. Mit von der Partie ist unser Pulka, in dem sich so einiges an Film- und Fotoausrüstung transportieren lässt, aber auch das eine oder andere Kaltgetränk und die Jause. Seine gut 50 Kilogramm Gewicht ins flache Klostertal zu ziehen, ist das eine, ihn aber die kurzen Steilaufschwünge Richtung Hennekopf hochzuwuchten, das andere. Zwei ziehen, zwei schieben und einer fotografiert und schmeißt sich weg vor Lachen. Unsere Gruppe erinnert an Hannibals Alpenüberquerung.
Nach einigen Foto- und Filmsessions wird es Zeit, die Saison mit ein paar Bier und dem ein oder anderen Schluck aus der Flasche ohne Etikett gemütlich ausklingen zu lassen. Beim Nachtshooting 300 Meter vom Biwak entfernt muss ich zweimal hinsehen... Ist da gerade ein UFO gelandet? Nein, alles gut, die Jungs machen zur Feier eines grandiosen Saisonabschlusses nur ein bisschen Schneedisco mit ihren Stirnlampen!





Fahrer: Matthias Angele, Daniel Dietrich, Micha Doberstein, Marita Ellinger, Thomas Luippold, Christine Messinger, David Seeg, Christian Weber



