Pakistan · Karakorum
Everything or Nothing
Ausgabe 2022 · Text: Martin Fiala · Fotos: Jeremy Bernard · 3 min Lesezeit

Der Film „La Liste - Everything or Nothing“ ist ein echtes Highlight für mich. Speed-Skifahren war schon immer ein Teil meines Lebens. Ich hatte bereits seit einiger Zeit geplant, eine Geschichte mit und über Jérémie Heitz zu machen. Er ist einer derjenigen, die das Gaspedal…
Der Film „La Liste - Everything or Nothing“ ist ein echtes Highlight für mich. Speed-Skifahren war schon immer ein Teil meines Lebens. Ich hatte bereits seit einiger Zeit geplant, eine Geschichte mit und über Jérémie Heitz zu machen. Er ist einer derjenigen, die das Gaspedal voll durchtreten und richtig schnell skifahren können. Aber es gehört mehr dazu, wenn man ohne die Unterstützung von Liften oder Helikoptern schnell in den Bergen unterwegs sein will. Man muss die richtigen Fähigkeiten mitbringen und voller Leidenschaft sein. Man muss die Lawinensituation richtig einschätzen können und ein Bauchgefühl für das gewisse Extra an Sicherheitsreserven haben.
Es gibt weder Sicherheitsnetze, die bei Stürzen schützen, noch eine Bergwacht, die einen rettet. Als der Fotograf Jeremy Bernard mir einige geniale Bilder von Jérémie Heitz und Samuel Anthamatten von ihrer Reise nach Pakistan schickte, wusste ich, dass dies meine Gelegenheit sein würde, mit Jérémie zu sprechen und herauszufinden, was in seinem Kopf vorgeht. Ich kontaktierte ihn auf Instagram und schon ging es los. Jeremie, Pakistan mit Sam war der letzte Teil deines Projekts „La Liste - Everything or Nothing“. Was war der größte Spaß und was hast du gelernt, als du deine Art Ski zu fahren, von den heimischen Alpen ins ferne Hochgebirge verlegt hast? Speed-Skifahren in Pakistan wurde jeden Tag zu einer neuen Lektion.
Akklimatisierung ist ein wichtiges Thema. Wir gingen es Schritt für Schritt an und versuchten gleichzeitig, in Form zu bleiben. Die richtige Mischung aus Höhenanpassung und Erholung zu finden, ist eine interessante Erfahrung. Die Möglichkeit, die Zeit in diesen abgelegenen Bergen mit Freunden zu teilen, war aber die größte Freude. Wir hatten eine tolle Zeit mit Sam und der ganzen Crew, die alle dieselbe Leidenschaft teilen. Warum hast du dich für Pakistan mit Sam zusammengetan? Wir sind gemeinsam auf der Freeride Tour gefahren. Er ist ein cooler Typ, der aus dem Alpinismus kommt. Neben den Wettkämpfen haben wir ein paar 4.000er gemacht und wurden gute Freunde. Der gemeinsame Trip war ein logischer Schritt.
Um die Freeride-Grenzen auf den höchsten Bergen auszuloten, braucht man großes skifahrerisches Können, aber auch viel Erfahrung im Alpinismus. Welcher Aspekt war für dich die größte Herausforderung? Mir ein vollständiges Bild von allen Verhältnissen zu machen. Teilweise sind wir unsere Linien in einem Zug durchgefahren. Ich war ziemlich überrascht über unsere allererste Linie. Auf dem Bergrücken war noch alles perfekt, dann kam plötzlich megahart gepresster Schnee. Man muss auf diese Veränderungen vorbereitet sein und damit klarkommen. Ein Projekt abzubrechen, gehört zum Alltag im Backcountry. Aber man muss die Grenzen auch pushen, um etwas zu erreichen. Wie war das in Pakistan? Wir haben mehrmals abgebrochen.
Skifahren mitten im Nirgendwo ist etwas Anderes. Rettung oder Ärzte sind mehrere Tage entfernt; ein kleiner Fehler kann dich und deine Freunde in lebensbedrohliche Schwierigkeiten bringen. Angesichts der langen Anreise, des abgelegenen Ortes und der krassen Linien... – ja, ich hatte ständig das Gefühl, neue Grenzen zu überschreiten. Content produzieren gehört auch dazu. Wie bekommst du als gesponserter Sportler deine eigenen Grenzen und die Erwartungen der Crew und Partner unter einen Hut? Man muss bedenken, dass man langsamer ist, wenn man Content produziert. Ich denke auch, dass die Kommunikation mit Partnern und Crew sowie gute Planung unverzichtbar sind. Ich versuche auch, so ehrlich wie möglich mit meinen Sponsoren zu sein.
Es besteht immer das Risiko, dass man von einer solchen Reise ohne Story oder Bilder zurückkommt. Es heißt, „Man kann jedes WIE bewältigen, wenn man das WARUM kennt.“ Was ist dein WARUM, wenn es schwierig wird? Die Antwort muss man kennen, bevor man die Reise antritt. Meine Antwort ist simpel: Die Leidenschaft und Neugierde, Zeit in den Bergen zu verbringen. Sam und ich treiben uns gegenseitig an und teilen diese Leidenschaft. Hast du schon neue Pläne? Ich fahre weiter Ski! Ich will weiter krasse Linien fahren, und zwar schnell. Im Moment sind Pakistan und Südamerika gute Ziele.





Fahrer: Jérémie Heitz, Samuel Anthamatten, Yannick Boissenot


