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Österreich / Deutschland · Allgäuer Alpen (Lechtal)

Hidden Gems

Ausgabe 2023 · Text: Tina Canstein · Fotos: Martin Fiala · 3 min Lesezeit

Hidden Gems

Das Lechtal ist eine der beeindruckendsten Regionen Tirols und ein sicheres Ziel für Abenteurer aller Art. Die einsamen Gipfeln der Allgäuer und der Lechtaler Alpen ziehen im Winter besonders die …

Das Lechtal ist eine der beeindruckendsten Regionen Tirols und ein sicheres Ziel für Abenteurer aller Art. Die einsamen Gipfeln der Allgäuer und der Lechtaler Alpen ziehen im Winter besonders die Skitourengeher an. Die langen Täler, die schroffen Berge und das atemberaubende Panorama lassen die Herzen der Abenteurerinnen Tina und Claudia höher schlagen. „Ssssssssss ...“ schnurren die Motoren unserer E-Bikes. Es ist noch dunkel, aber im Schein der Stirnlampen können wir den Weg ganz gut erkennen. Es ist Ende Januar, und leider hat es viel zu wenig Schnee für diese Jahreszeit. Die meisten Klassiker im Lechtal sind bereits verspurt, doch irgendetwas findet man immer.

Wir haben uns entschieden, den höchsten Berg der Allgäuer Alpen, den Großen Krottenkopf, auf reizvollen Umwegen anzugehen und für die ersten Höhenmeter bis ins Bernhardstal das E-Bike zu nutzen. Natürlich könnten wir das Bernhardstal auch über einen längeren Fußmarsch erreichen, allerdings spielt der Faktor Zeit bei der Tourenplanung eine große Rolle. Die Tourenvorbereitungen hatten wir schon am Vorabend erledigt, um in der Früh keine Zeit zu verlieren. Der Große Krottenkopf – 2.656 Metern – gehört zur Hornbachkette, die sich vom Allgäuer Hauptkamm etwa 15 Kilometer nach Osten erstreckt. Nicht der Gipfel ist heute unser Ziel, sondern seine lange Nordrinne mit ca. 250 Höhenmetern. Sie hat an der steilsten Stelle ca.

45 Grad und wir hoffen, dass dort noch ein bisschen Powder zu finden ist. Den Krottenkopf gehen wir von Osten an, geplant ist noch eine Abfahrt zur Einstimmung östlich des Ramstallkopfes in das Hermannskar. Der Aufstieg verläuft bis zum Talschluss des Bernhardstals gemütlich. Bald wird es steiler, beim Aufstieg zu einer verborgenen Scharte östlich der Ramstallspitze – südwestlich exponiert – kommt die Sonne raus und wir mächtig ins Schwitzen. In der Scharte angekommen richten sich unsere Blicke umgehend in die schattige Rinne. Die Vorfreude ist groß, denn der Nordosthang ist unberührt und mit feinstem Pulver geschmückt. Bis hierher haben wir 1.340 von den gesamt 1.850 Höhenmetern auf Bike und Fellen zurückgelegt. Zeit für eine kleine Pause.

Wir können es kaum erwarten, unsere Schwünge in das glitzernde Weiß zu malen. Die Bedingungen sind perfekt. Unten angekommen fellen wir zügig mit strahlenden Gesichtern wieder auf und machen uns auf den Weg in die Krottenkopfscharte und weiter zum Einstieg in die Nordrinne des Großen Krottenkopfes. Einige Spitzkehren und eine mächtige Wechte stehen noch zwischen uns und der Scharte. Wir müssen die Ski abschnallen. Claudia hat gerade die Ausbildung zur Skiführerin abgeschlossen und darf ihre Expertise beim Spuren unter Beweis stellen. Wir haben einen schneearmen Winter, daher gilt es, besonders an den Übergängen von wenig zu viel Schnee aufmerksam zu sein. Die Südflanke des Gipfelhanges ist freigeblasen.

Wir stapfen – die Ski auf dem Rucksack – mühsam und voller Erwartung die letzten 300 Höhenmeter zu dem eigentlichen Ziel der Tour. Da ist sie nun. Eine Wechte versperrt erneut die Einfahrt in die 45 Grad steile und schattige Nordrinne des Großen Krottenkopfs. Die ersten Schwünge erfordern Mut und Konzentration. Im oberen Teil der Rinne ist der Schnee noch hart und es ist steil. Mit kurzen Schwüngen fahren wir nacheinander ab. Im Mittelteil versteckt sich der Schnee, den wir gesucht haben. Es staubt, und wir können unser lautes Juchzen nicht mehr unterdrücken. Unten angekommen, liegen wir uns feiernd und lachend in den Armen. Genau diese Momente am Berg sind es, die wir so lieben.

Gemeinsam eine Leidenschaft zu teilen, Neues und großartige Momente zu erleben. Glücklich schauen wir noch einmal zurück hinauf. Über einen kurzen Gegenanstieg gelangen wir zurück in das Bernhardstal und wedeln hinunter bis zu unseren E-Bikes. Noch einmal die Ski und Skischuhe verstauen, und schon geht es ins Lechtal zurück. Doch so ein Tag darf nicht ohne einen Kaiserschmarrn und ein gemeinsames Bier beendet werden – zum Glück liegt die Gibler Alm auf dem Weg nach Hause. Prost, wir kommen wieder, keine Frage.

Hidden Gems
© Martin Fiala
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© Martin Fiala
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© Martin Fiala
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© Martin Fiala
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© Martin Fiala

Fahrer: Tina Canstein, Claudia Kohler

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