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USA · Kichatna Mountains (Alaska)

In the Middle of Nowhere

Ausgabe 2018 · Text: Christian Pondella · Fotos: Christian Pondella · 4 min Lesezeit

In the Middle of Nowhere

2012 fuhr ich mit Chris Davenport, John und Jim Morrison zum ersten Mal Ski in der gigantischen Alaska Range. Es war eine wilde, außergewöhnliche Erfahrung auf mehreren Gefühlsebenen. Nicht nur war …

2012 fuhr ich mit Chris Davenport, John und Jim Morrison zum ersten Mal Ski in der gigantischen Alaska Range. Es war eine wilde, außergewöhnliche Erfahrung auf mehreren Gefühlsebenen. Nicht nur war es das erste Mal, dass ich in dieser Gegend auf Ski unterwegs war, es war auch mein erstes Basecamp im Schnee, zu dem ich mit einem Flugzeug geflogen wurde. So eine Cessna oder Otter eröffnet in Alaska unendliche Möglichkeiten. Der größte Vorteil ist, dass man abgelegenes Gelände erreicht, aber auch die riesige Menge an Ausrüstung, die man mitnehmen kann, ist bemerkenswert. Für Backcountry-Skifahrer und Skibergsteiger macht das flugzeuggestützte Skifahren in Alaska tatsächlich Sinn.

Man kann buchstäblich die ganze Kücheneinrichtung mitnehmen und sich ein komfortables Basislager einrichten. Derartige Unternehmungen setzen allerdings eine gewisse Planung voraus. Man muss genau recherchieren und sich über die anfallende Logistik im Klaren sein. Außerdem braucht man ein Team, dem man vertraut und mit dem man auch Spaß haben kann. Die Alaska Range ist kein Ort für Anfänger oder neue Seilschaften. Die Region ist riesig. Man kann buchstäblich einen Dartpfeil nehmen und blind auf die Karte werfen – man läge nie wirklich falsch. Dabei ist Alaska, und vor allem die Chugach Range bei Valdez, bekannt für ihre schroffen Gipfel und mit Rinnen durchzogenen Wände – tausend Mal in Magazinen und Filmen gesehen und von jedem echten Skifahrer begehrt.

Wir wollten allerdings etwas anderes und konzentrierten unsere Suche auf ausgewiesene Kletterreviere in der Alaska Range. Wir suchten einen Gebirgszug, der eher für seine Granittürme und -wände bekannt ist. Wir wollten steile Couloirs, die zwischen diesen Türmen verliefen und uns technisch ans Limit bringen würden. Die Wahl fiel schließlich auf die Kichatna Spires im Denali Nationalpark. Chris Davenport hatte bereits seit ein paar Jahren darüber recherchiert und mit vielen Kletterern gesprochen. Schnell wurde klar, dass dort alles vorhanden war, was wir suchten. Informationen über Skitouren oder Bilder von Skifahrern gab es keine, nur beeindruckende Kletterfotos, auf denen man aber das Skipotenzial bereits erkennen konnte.

Höchstwahrscheinlich würden wir die Allerersten sein, die dort Ski fuhren. Chris Davenport, ein langjähriger Freund und mein bevorzugter Partner für derartige Abenteuer, und ich begannen, das Vorhaben anzuschieben. Wir organisierten eine vierköpfige Crew – die perfekte Größe, um alles leicht, schnell und unkompliziert zu halten. Mit dabei: der geniale Skibergsteiger und Freund Jim Morrison und die begnadete Profi-Freeskierin Michelle Parker. Als wir in Anchorage ankamen, war der Himmel dank eines anhaltenden Hochdruckgebiets kristallklar und blau. Wir charterten eine Cessna für einen Erkundungsflug. Schon wenige Minuten nach dem Start blickten wir direkt in das Herz der Alaska Range und auf den mächtigen Denali sowie den Mt. Foraker.

Bald erreichten wir die Kichatna Spires und waren von ihrer Schönheit und Größe begeistert. Endlose Couloirs und Rinnen, die sich durch die Granitwände wanden und auf riesigen Gletscherfeldern ausliefen. Es war viel schöner, als wir es uns erträumt hatten. Von der Luft aus fanden wir auch den idealen Ort für unser Basecamp – nahe genug an unzähligen Abfahrten, gleichzeitig gut geschützt vor Lawinen. Am nächsten Tag luden wir unsere Ausrüstung in eine Otter, die uns zu unserem Lagerplatz fliegen sollte. Im Gepäck waren genug frisches Essen für mindestens zwei Wochen, ein riesiges Zelt und ausreichend Daunenschichten für ein gemütliches und luxuriöses Basislager. Wir nahmen sogar jeweils zwei Paar Ski mit – eines für Altschnee und eines für Powder.

Im Basislager am Tatinagletscher waren wir dann von riesigen Granittürmen und unzähligen Couloirs umgeben. Es war, als hätte jemand Chamonix und das Yosemite Valley verschmolzen. Mitten in einem für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Hochdruckwetterzyklus waren wir genau am richtigen Ort angekommen. Wir fanden heraus, dass die meisten Couloirs zehn bis zwanzig Zentimeter Schnee hatten, der direkt auf blankem Eis lag. Würde der Schnee auf dem Eis überhaupt halten? Wie immer mussten wir dies erst testen und Schritt für Schritt herausfinden, was ohne unnötiges Risiko machbar war. Nach ein, zwei Tagen Rutschtests und leichten Einstiegstouren schnallten wir schließlich die Steigeisen an und machten uns auf den Weg.

Die Routen waren steil, exponiert und ziemlich einschüchternd. Glücklicherweise wussten wir nach unseren Testabfahrten bereits, dass wir unsere Komfortzone etwas ausdehnen konnten, ohne uns dabei zu überfordern. Nach jedem Tag in felsigen Höhen genossen wir es, wieder im Basecamp zu sein und unser Dasein als Wintercamper auszukosten. Wir kochten fantastische Mahlzeiten, hörten Musik und hatten sogar ein kleines Kino. Da die Temperaturen nachts deutlich unter Null fielen, schliefen wir, bis die ersten Sonnenstrahlen die Zelte aufwärmten. All unsere Ziele lagen nach Norden ausgerichtet und im Schatten, deswegen mussten wir nie bereits in der Dunkelheit losgehen.

So blieb jeden Morgen Zeit für ein Fünf-Sterne-Frühstück und Michelles Kaffee, der jeden Barista stolz machen würde. Die Tatsache, dass sich selbst alte Hasen wie wir neuen Herausforderungen stellen mussten, machte uns auf diesem Trip ziemlich demütig. Die Berge bieten immer wieder Neues und fordern dich körperlich bis zur Erschöpfung heraus, belohnen dich dann aber jedes Mal. Genau das ist es, warum wir das Skibergsteigen so lieben. Bei dieser Reise ging es um das Unbekannte, das Abenteuer und ein Team guter Freunde mit dem gemeinsamen Ziel, Couloirs zu fahren, die zuvor noch nie einen Skifahrer gesehen hatten. Und genau das taten wir, allerdings machten wir nur einen Bruchteil der Linien, die in diesen gewaltigen Bergen möglich sind.

Auf dem Flug zurück nach Anchorage bestaunten wir die Berge unter uns und machten Fotos von felsigen Gipfeln und weiten Schneefeldern. In unseren Träumen waren wir bereits auf dem Weg zum nächsten Abenteuer.

In the Middle of Nowhere
© Christian Pondella
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© Christian Pondella
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© Christian Pondella
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© Christian Pondella
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© Christian Pondella

Fahrer: Chris Davenport, Jim Morrison, Michelle Parker

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