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Kanada · Pacific Ranges

Squamish Chief

Ausgabe 2025 · Text: Eric Carter · Fotos: Chris Christie · 4 min Lesezeit

Squamish Chief

Der Squamish Chief (Siy̓ám̓ Smánit) ist ohne Zweifel ein Berg der Kletterer. Dieser von Gletschern geformte Granitmonolith erhebt sich direkt aus dem Pazifik und begrüßt alle, die auf dem

Der Squamish Chief (Siy̓ám̓ Smánit) ist ohne Zweifel ein Berg der Kletterer. Dieser von Gletschern geformte Granitmonolith erhebt sich direkt aus dem Pazifik und begrüßt alle, die auf dem

tish Columbia fahren. Durch seine Nähe zum Skigebiet Whistler Blackcomb ist Squamish aber auch Heimat einer großen und aktiven Skitouren-Community. Mit durchschnittlich über 200 Zentimeter Niederschlag pro Jahr sind die alpinen Zonen der Region im Winter tief verschneit. Jeder der hiesigen Tourengeher hat schon einmal zum einschüchternden North Gully des Chiefs hinaufgeblickt und sich gefragt, ob sich diese steile Linie jemals so weit mit Schnee füllen würde, dass sie mit Ski befahrbar wäre. Da ich selbst keine 500 Meter vom Fuß des Chief entfernt wohne, war ich vor solchen Gedanken ebenfalls nicht gefeit. Besonders im Januar 2022, als es schien, als wolle es gar nicht mehr aufhören zu schneien.

Schnee bis auf Meereshöhe ist in strengen Wintern nichts Ungewöhnliches – aber die stetigen Schneemassen, die sich in meiner Einfahrt auftürmten, waren doch ungewöhnlich. Während ich eine Verletzung an meiner Schulter auskurierte, die ich mir beim Schneeschippen in meinem Garten zugezogen hatte, wusste ich: Jetzt musste der Gully einfach voll genug sein, um einen Versuch zu wagen. Paul Greenwood und Chris Christie sind enge Skitourenpartner von mir und fast immer bereit, sich auf ein neues Abenteuer einzulassen. Auch an jenem Januarmorgen, als ich ihnen einen Start um 5 Uhr vorschlug, um den Chief zu befahren, sagten sie sofort zu. Wir trafen uns an der Abfahrt vom Highway und fellten direkt auf.

Schon der erste Blick in den Wald ließ hoffen: Tiefes Weiß bedeckte die Felsen bis ganz unten am Einstieg, das Spuren fiel leicht und die Stimmung stieg. Wir folgten dem Pfad, den wir im Laufe der Jahre schon Hunderte Male zu Fuß aufund abgestiegen waren. Kalte, klare Temperaturen hielten den Schnee weich und griffig, während wir im Schein unserer Stirnlampen aufstiegen. Kurz nach Sonnenaufgang brachen wir aus den Bäumen heraus und setzten den Anstieg bis zum Gipfel fort. Die letzten Meter waren die nervenaufreibendsten des Tages: Wir wussten, dass unter der dünnen Schneedecke nichts als eine glatte Felsplatte lag – keinerlei Struktur, die der Schneeauflage Halt geben konnte.

Halb im Traumzustand rissen wir oben die Felle ab – übermüdet von der kurzen Nacht und zugleich ungläubig, dass wir hier tatsächlich mit Ski standen. Die ersten Schwünge rissen uns sofort aus dieser Trance. Zwischen Bäumen hindurch, vorbei an Wegmarkern, die im Sommer weit über Kopfhöhe liegen, steuerten wir die Scharte an, die die obere Einfahrt zum North Gully bildet. Diese markante Rinne ist ein Bruch in einem sonst massiven Felsblock – steil und im Sommer nicht mehr als ein Geröllfeld. Heute jedoch lag vor uns ein perfektes Couloir: Schneefahnen bliesen von den Felsen des Gipfels über die gewaltigen Nordwände herab und sammelten sich in einer traumhaften Linie.

Oben war es eng und tief, Jumpturns waren Pflicht, bis sich die Linie weiter unten etwas öffnete. Nach einem Drittel der Strecke erreichten wir den Chockstone – einen eingeklemmten Felsblock. Im Sommer klettern Bergsteiger im Inneren hoch und winden sich oben wieder hinaus. Ich hatte lange davon geträumt, hier ins Dunkel hineinzufahren, doch der Durchgang war komplett mit Schnee verstopft. Also schlugen wir ein paar Felshaken in einen Spalt daneben und seilten uns 60 steile Meter außen am Chockstone vorbei ab. Unten im Couloir weitete sich die Rinne, das Gefälle nahm ab und wir gaben Gas. Wir mussten immer noch versetzt fahren, um uns nicht gegenseitig in Gefahr zu bringen, aber es ging zügig bergab. Ein paar kleinere Felsstufen erforderten noch kurze Abseiler – dann öffnete sich das Gelände, und wir zogen genussvolle Turns durch

den unteren Hang, hinein in den Wald und hinaus bis zur Straße. Der Rückweg zum Highway war ein einziger Wechsel aus High- Fives und Jubelrufen. Ein Traum, der Wirklichkeit geworden war! Um 10 Uhr saßen wir wieder in den Autos – Paul fuhr in seine Praxis, Chris zur Feuerwache, und ich machte mich auf den Weg ins Landesinnere von British Columbia, um meine nächste Guiding-Ausbildung zu beginnen. Sicher waren wir nicht die Einzigen, die an diesem Tag vom Chief träumten – aber wir waren diejenigen, die wirklich losgegangen waren. Und ich weiß: Den Versuch habe ich nicht bereut – und werde es wohl auch nie tun.

Squamish Chief
© Chris Christie
Squamish Chief
© Chris Christie
Squamish Chief
© Chris Christie
Squamish Chief
© Chris Christie
Squamish Chief
© Chris Christie

Fahrer: Eric Carter, Paul Greenwood

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