BACKLINE Magazin
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USA · Rocky Mountains (Sun Valley / Idaho)

The Fire that Saved Sun Valley

Ausgabe 2020 · Text: Vince Shuley · Fotos: Vince Shuley · 5 min Lesezeit

The Fire that Saved Sun Valley

Langsam spure ich nach oben und ziehe den Nackenwärmer bis über die Nase. Nur die Sonnenstrahlen scheinen mich in der bitteren Kälte Idahos noch vor Erfrierungen zu bewahren. Verbrannte Bäume ragen …

Langsam spure ich nach oben und ziehe den Nackenwärmer bis über die Nase. Nur die Sonnenstrahlen scheinen mich in der bitteren Kälte Idahos noch vor Erfrierungen zu bewahren. Verbrannte Bäume ragen wie Stacheln aus dem Boden, ihre Schatten bilden einen endlosen schwarz-weißen Zebrastreifen, der sich über den glitzernden Schnee erstreckt. Als ich oben ankomme, spüre ich, wie die -30 Grad Celsius kalte Luft in meinen Lungen brennt. Von hier oben sieht man die gesamten Smoky Mountains im südlichen Idaho. Im Westen erhebt sich am Horizont die zerklüftete Sawtooth Range. Im Osten kollidieren die Pioneers mit den Boulder Mountains. Alles gut erreichbare Backcountry-Reviere rund um Ketchum und den Skiort Sun Valley.

Die Landschaft wurde vom Feuer gezeichnet, aber das Feuer hat sie auch beschützt. Der Bergführer Joe St. Onge führt unsere Gruppe an. Er kommt aus der nahegelegenen Stadt Hailey und ist Besitzer von Sun Valley Trekking. Da er den größten Teil seiner Karriere als Bergführer in Zentral-Idaho verbracht hat, hat St. Onge im Laufe der Jahrzehnte viele Veränderungen miterlebt, die sowohl von Menschenhand als auch von der Natur verursacht wurden. Die größten Folgen hatten allerdings die großen, zerstörerischen Waldbrände von Castle Rock und Beaver Creek, die 2007 bzw. 2013 in den Tälern wüteten. Dort, wo sie einst ihr Unwesen trieben, werden wir diese Woche Skitouren gehen.

Sowohl das Feuer in Castle Rock als auch das in Beaver Creek wurden durch Gewitter ausgelöst“, erinnert sich St. Onge und zeigt auf die einige Kilometer entfernten Blitzeinschläge. Während des Brandes in Castle Rock mussten Teile von Hailey in der Nacht evakuiert werden. Wir sahen zu, wie das Feuer über den Berg kroch, wie wenn Lava über den Rand eines Vulkans tropft. Es war surreal. Zerstörerisch, aber gleichzeitig auch beeindruckend.“ Eine überraschende, positive Nebenwirkung des Castle Rock-Brands bestand darin, dass das Feuer überschüssigen Bewuchs vernichtete und damit eine wirksame Feuerbarriere für Ketchum, Hailey und Sun Valley schuf, die die Orte während des heftigeren und heißeren Beaver Creek-Feuers sechs Jahre später beschützte.

Obwohl es eine Weile dauerte, bis sich die Bewohner damit abfinden konnten, wird der Brand von Castle Rock im Jahr 2007 mittlerweile als das Feuer gesehen, das Sun Valley vor Schlimmerem bewahrte. Die Kontinentalgebirge sind bekannt für ihr ausgeprägtes Mikroklima. Mancherorts fallen 30 bis 40 Zentimeter Schnee; nur 10 Kilometer davon entfernt nur ein Viertel davon. In den nächsten Tagen lerne ich, warum sich Menschen wie St. Onge hier niederließen: konstantes Wetter; fünf Gebirgsketten, die unterschiedliches Terrain und Wetter haben; ein Netz von Jurten und Hütten, die es ermöglichen, mehrere Tage am Stück ins Backcountry zu entfliehen.

Sun Valley wird als Urahn aller Skiorte des amerikanischen Westens immer attraktiv bleiben, aber es ist das Skitourengehen, das die nächste Welle des Abenteuertourismus ankurbelt. Sommerliche Waldbrände werden dabei immer eine Rolle spielen – im Guten wie im Schlechten. Unser Ziel für die nächsten zwei Nächte ist die Coyote Jurte im Süden der Smoky Mountains, das Vorzeigeobjekt von Sun Valley Trekking. Wir parken unser Auto an der Baker Creek Forest Service Road. Unerbittliche Kälte zwingt uns, alles anzuziehen, was wir mit nach Idaho gebracht haben. Während wir im Zickzack nach oben spuren, sind die Spuren des Feuers von Beaver Creek überall sichtbar.

Ganze Felder nackter, verrußter Pinienstämme überziehen den Hang, gelegentlich ragt eine angesengte alte, weiße Kiefer daraus hervor. Die Coyote Jurte ist die zweite Hütte, die auf diesem Grat steht; die erste fiel vor sechs Jahren dem Brand von Beaver Creek zum Opfer. St. Onge erinnert sich an den Tag, an dem er versuchte, sie zu retten. „Ich erhielt einen Anruf von der US-Forstbehörde, dass sie das gesamte Gebiet um den Baxter Creek sperren. Ich musste betteln, doch noch hinauf zu dürfen“, erzählt er. „Ich fuhr mit einem Feuerwehrmann aus Kalifornien hinauf und packte alles ein, was in den Truck passte.“ St. Onge hatte sich bereits mit dem Verlust seiner kostbaren Jurte abgefunden – er würde sie wieder aufbauen.

Nicht einmal ein Jahr später startete er bereits aus der neuen Jurte auf seine Skitouren. Am nächsten Morgen führt St. Onge das Team in Richtung Alden-Schlucht, etwa eine Stunde von der Jurte entfernt. Während über Nacht nur zehn Zentimeter Schnee vom Himmel gekommen sind, hat der Wind über 30 Zentimeter feinsten Schnee auf die nördliche Schluchtseite geweht. Nacheinander fahren wir in den Hang ein. Perfekt platzierte Bäume ermöglichen spielerische Schwünge und sichern den Hang gleichzeitig gegen mögliche Lawinen. Obwohl wir alle erschöpft sind, spuren wir danach fröhlich zur Jurte zurück und träumen von den wohl besten Turns der Woche. Am nächsten Morgen klart das Wetter auf. Unsere Gruppe steht mit müden Knochen bei Tagesanbruch auf.

Die Sonne strahlt über der Pioneer Range und taucht die Baumspitzen in ein sanftes, orangefarbenes Licht. St. Onge fährt als erster in den Hang ein, wir folgen und lassen die Welt lautstark wissen, wie genial die Abfahrt ist. Wieder zurück bei der Hütte, stehe ich mit St. Onge draußen und genieße den Ausblick auf die fünf Bergketten. Nacheinander zeigt St. Onge auf eine nach der anderen und erzählt mir von seinen anderen Jurten und Hütten. Während wir in den Smoky Mountains meist um die Baumgrenze herum unterwegs waren, mache ich in den Sawtooths beeindruckende Couloirs aus, bewundere die Bowls der Boulder-White Clouds und träume von den alpinen Hängen der Pioneers.

Zu den anderen Hütten zu gelangen, ist nicht gerade ein Kinderspiel, aber beim Anblick des Geländes wäre es geradezu nachlässig, nicht zurückzukommen. Ob Feuer oder Klimaveränderungen – wenn man sieht, wie entschlossen und leidenschaftlich St. Onge und die gesamte Backcountry Community in Ketchum oder Hailey sind, mache ich mir um den Skisport in Idaho wenig Sorgen.

The Fire that Saved Sun Valley
© Vince Shuley
The Fire that Saved Sun Valley
© Vince Shuley
The Fire that Saved Sun Valley
© Vince Shuley
The Fire that Saved Sun Valley
© Vince Shuley

Fahrer: Collin Collins, Wilbur Drake, Joe St. Onge, Anna Segal, Jeff Thomas

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