Skitouren-Helme & Brillen · Testmagazin 2025
Techtalk mit Nicolas Defude, JULBO
Produktmanager · Heftseite 135
Wer ist Nicolas Defude? Produktmanager für Helme bei Julbo
Nicolas Defude ist Produktmanager bei Julbo und verantwortet die Entwicklung der Helme. Er ist in den Jurabergen aufgewachsen und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Outdoor-Branche. Seine Erfahrungen im Bergsport fließen in seine Arbeit ein. Im BACKLINE Testmagazin 2025 erläutert er, welche Anforderungen Skitourenhelme bei Aufstieg und Abfahrt erfüllen müssen.
Im Mittelpunkt stehen Schutz, geringes Gewicht, Belüftung und langanhaltender Tragekomfort. Als Beispiel nennt Defude den HAILOT LT, der laut Interview die Skihelmnormen EN1077 und ASTM 2040 sowie die Kletterhelmnorm EN12492 erfüllt. Zur Ausstattung gehören MIPS und ein integriertes RECCO-System. Gewicht spart Julbo nach seinen Angaben durch eine optimierte Helmform, leichte Textilkomponenten, Belüftungskanäle und reduzierte Verstellsysteme.
Bei der Nachhaltigkeit setzt Defude auf Langlebigkeit und sparsamen Materialeinsatz. Recycelte Materialien werden geprüft, sind jedoch noch nicht serienreif; Verpackungen aus FSC-zertifiziertem Papier und Karton sind bereits umgesetzt. Für die weitere Entwicklung betont er das Zusammenspiel mit Stirnlampen, Ski- und Sonnenbrillen sowie die Befestigung am Rucksack. Langfristig sieht er Potenzial in leichten, nachhaltigen Materialien, die wiederholten Stößen widerstehen.
Julbo ist vor allem für hochwertige Brillen bekannt – was macht eure Skitourenhelme besonders, und worauf legt ihr bei der Entwicklung speziell für den Toureneinsatz wert?
Julbo hat seinen Sitz im französischen Jura, nur einen Steinwurf von alpinen Hotspots wie Chamonix oder Zermatt entfernt. In dieser Umgebung ist es selbstverständlich, ganzjährig draußen aktiv zu sein – beim Wandern, Trailrunning, Freeriden oder auf Skitour. Neben hochfunktionalen Brillen entwickeln wir daher seit rund 20 Jahren auch Helme. Aus dieser Tradition entstand unser Fokus auf Skitouren. Mit dem neuen HAILOT präsentieren wir inzwischen unseren dritten doppelt zertifizierten Helm (Ski + Bergsteigen). Der Name steht sinnbildlich für unsere Philosophie: „How Awesome is Life On Top“. Touring-Helme müssen vielseitiger sein als klassische Skihelme, da sie auch beim Aufstieg getragen werden – oft in Couloirs mit Steinschlaggefahr. Die Herausforderung liegt darin, Schutz, geringes Gewicht, Atmungsaktivität und Komfort über viele Stunden zu vereinen.
Welche sicherheitsrelevanten Innovationen habt ihr in euren aktuellen Skitourenhelmen integriert – und wie unterscheiden sie sich von klassischen Skihelmen?
Der HAILOT LT erfüllt die europäischen und US-Normen für Skihelme (EN1077, ASTM 2040) sowie die europäische Norm für Kletterhelme (EN12492). Damit schützt er sowohl bei Stürzen als auch bei Steinschlag. Zusätzlich setzt er auf MIPS-Technologie, die das Risiko von Gehirnverletzungen bei schrägen Aufprallen reduziert, sowie auf ein integriertes RECCO-System, das Lawinenrettungsdiensten die Ortung erleichtert. So bietet er Schutz in allen Phasen einer Tour – und hebt sich klar von klassischen Skihelmen ab, die primär fürs Pistenumfeld gedacht sind.
Gerade bei Skitouren zählt jedes Gramm – wie gelingt euch der Spagat zwischen Leichtbauweise und maximaler Sicherheit?
Sicherheit hat oberste Priorität, dennoch sparen wir durch Detailarbeit Gewicht ein. Eine optimierte Form mit niedrigem Profil ermöglicht Materialreduktion bei voller Kopfabdeckung. Leichte Textilkomponenten, ein durchdachtes Innenfutter und ein aufs Wesentliche reduziertes Größensystem tragen ebenso bei. Belüftungskanäle sorgen für angenehmes Klima und weniger Gewicht, ohne die Stoßabsorption zu beeinträchtigen. Auch kleine Details wie eine nichtmagnetische Kinnriemenschnalle oder leichte Verstellsysteme machen den Unterschied.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei der Entwicklung der Julbo-Skitourenhelme?
Da Skitourengehen sehr materialintensiv ist, legen wir besonderen Wert auf Langlebigkeit. Robuste Materialien garantieren eine lange Lebensdauer – vorausgesetzt, kein Sturz macht einen Austausch erforderlich. Jedes Bauteil ist auf einen möglichst geringen Materialeinsatz ausgelegt, wo immer möglich mit durchbrochenen Strukturen für hohe Stabilität bei reduziertem Ressourcenverbrauch. Der Einsatz recycelter Materialien wird derzeit geprüft, ist jedoch noch nicht serienreif. Bereits umgesetzt ist eine nachhaltige Verpackung aus FSC-zertifiziertem Papier und Karton.
Wie sieht Julbo die Zukunft des Skitourenhelms – welche Features werden wichtiger?
Das Skitourengehen in seiner modernen Form ist noch ein junges Segment – entsprechend groß ist das Potenzial für praxisnahe Innovationen. Die Vielfalt an Bedingungen, denen man dabei begegnet – von Tag- und Nachtaktivitäten über wechselnde Wetterlagen bis hin zum ständigen Wechsel zwischen Aufstieg und Abfahrt – erfordert Helme, die optimal mit der restlichen Ausrüstung zusammenspielen. Dazu gehören Befestigungsmöglichkeiten für Stirnlampen, die nahtlose Kompatibilität mit Ski- und Sonnenbrillen sowie Lösungen für eine einfache Fixierung am Rucksack. Die Entwicklung leichter, funktionaler Features zur Steigerung des Komforts kennt dabei kaum Grenzen. Ein Beispiel ist der HAILOT LT, der optional mit einer ultraleichten Trail-Kappe ausgestattet ist: Sie schützt beim Aufstieg vor Sonne und Schnee und kann auch beim Handling mit Steigfellen bequem auf dem Kopf bleiben. Langfristig liegt der Fokus zudem auf neuen Materialkonzepten: leicht, nachhaltig und gleichzeitig widerstandsfähig gegenüber wiederholten Stößen – ein entscheidender Schritt, um Sicherheit, Komfort und Umweltbewusstsein noch enger miteinander zu verbinden.

