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Chile · Patagonien

A Journey to Untouched Peaks

Ausgabe 2024 · Text: Martina Scheichl · Fotos: Patricio Diaz · 5 min Lesezeit

A Journey to Untouched Peaks

Zwei Jahre in Folge verschlägt es Nadine Wallner im Winter nach El Chaltén. Ein einsamer Ort mit unglaublichen Möglichkeiten für spektakuläre Linien, aber auch hohem Risikopotential, denn die Bedingungen in den verschneiten Bergen des Nationalparks Los Glaciares erlauben es nicht immer, alles …

Zwei Jahre in Folge verschlägt es Nadine Wallner im Winter nach El Chaltén. Ein einsamer Ort mit unglaublichen Möglichkeiten für spektakuläre Linien, aber auch hohem Risikopotential, denn die Bedingungen in den verschneiten Bergen des Nationalparks Los Glaciares erlauben es nicht immer, alles auszuschöpfen. Die schwierigen Wetterverhältnisse und das Warten auf gute Tage kosten Nadine und ihre Begleiter ebenso viel Energie wie die kilometerlangen Zustiege. Dennoch gibt es nichts Vergleichbares, als sich an den unberührten Hängen des Fitz Roy und seiner Nachbarberge mit Skiern zu verewigen.

Im Winter wirkt El Chaltén unwirklich. Wo sonst Hotels, Restaurants und Shops Menschen anziehen, herrscht Stille: verbarrikadierte Häuser, Einsamkeit, klirrende Kälte und der rauchende Gipfel des Fitz Roys. El Chaltén, gegründet 1985, ist der jüngste Ort Argentiniens und liegt am Rand des südlichen patagonischen Inlandeises. Heute hat es 350 Einwohner, von denen im Winter kaum einer bleibt. Dann wird es sehr still. Nur wenige suchen zu dieser Jahreszeit die Einsamkeit der Granitriesen, um Ski zu fahren. Und es gibt viele Gründe, dies hier nicht zu tun: unvorhersehbare Wetterereignisse, Gletscher-

spalten und windgepresster Schnee, lange Zustiege und keine Rettungsteams. All das macht das Skifahren hier zu einem fragwürdigen Vergnügen mit hohem Aufwand.

Max Odell, der „Ski-Messias“ von El Chaltén, kennt diese Herausforderungen genau. 1997 zog er hierher, um das Potential der verschneiten Hänge des Nationalparks zu erkunden. Damals gab es weder Informationen zur Gegend noch Lawinenwarnberichte. 30 Jahre später kennt er hunderte Kinglines, und es hat sich eine kleine Community gebildet. „Es passiert nicht oft, dass man eine Stadt wachsen sieht und daran teilhat. Das ist ziemlich cool,” sagt Odell. Die Berichte über das enorme Skitourenpotential haben auch Nadine erreicht. Sie und Odell lernten sich am Arlberg kennen, und er versicherte ihr, dass sie prädestiniert sei für das Skifahren in der Wildnis Patagoniens. Zwei Jahre in Folge kommt sie nach El Chaltén, um sich im winterlichen Niemandsland auszutoben.

Was sie schnell merkt: Es mangelt nicht an perfekten Linien, sondern an passablen Bedingungen. Bei ihrem ersten Trip im Oktober 2022 verbringt sie in fünf Wochen nur fünf Tage auf den Skiern –

nicht gerade viel. Das Problem in Patagonien ist vor allem das unberechenbare Wetter: Keine zuverlässigen Prognosen, sel- tene Gutwetterfenster und launischer Wind. Das Wetter schlägt schnell um, und die langen Zustiege erfordern oft eine Biwak- nacht. Bei bis zu -20 Grad Celsius ist das kein Zuckerschlecken.

2023 startet sie erneut, diesmal früher in der Saison und in Gesellschaft der italienischen Pro-Freeriderin Silvia Moser, Niki Salencon, Chiro und des Fotografen Patricio Diaz. Die Stim- mung ist gut, aber auch diesmal gibt es kein Happy End im Hollywood-Stil. Dennoch gibt es viele Gelegenheiten, die klas- sischen Touren zu wiederholen: Vespignani-Gletscher, Cerro Crestón, Mosquito Creek oder Cerro Solo - und das mit so viel Powder, wie selbst Nadine es nicht zu träumen wagte.

Ihr erster Trip gestaltet sich schwierig, mit vielen Kilometern, die sie die Skier auf dem Rücken trägt - für Abfahrten mit wenig Powder und viel Harsch. Einziger Trost: Die Zeit im Tal lässt sich mit Tradklettern, Ping Pong und Mate-Tee-Trinken überbrücken. Skitechnisch ist aber mehr drin, das bestätigt auch Odell. Nadine beschließt, ein Jahr später die Suche nach der weißen Pracht fortzusetzen.

Einfach sind diese Touren jedoch nicht: Technisch, taktisch und konditionell muss jeder voll da sein. Mehr als einmal muss die Gruppe genau abwägen, ob die geplante Tour realisierbar ist. Mit Temperaturen bis -35 Grad Celsius und zu viel Neuschnee

Nach zwei Wochen Powder und einer drohenden Schlechtwetterfront ziehen Nadine, Silvia und Patricio sturmaufwärts nach Norden. Wird das Wetter in El Chaltén schlecht, kann man, dem Sturm folgend, in Bariloche die frisch eingeschneiten Couloirs von Frey fahren. Noch weiter nördlich finden sie in Chile im Cajón del Maipo großartigen Powder. In El Chaltén war nicht die erhoffte Ausbeute möglich, doch insgesamt sind alle auf ihre Kosten gekommen. Für die geplanten Ziele weiß Nadine: „Aller guten Dinge sind drei!“. Wir sind zuversichtlich, dass sie endlich ihr großes Wetterfenster bekommen wird.

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© Patricio Diaz
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© Patricio Diaz

Fahrer: Chiro, Silvia Moser, Max Odell, Niki Salencon, Nadine Wallner

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