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Chile · Anden

Where the Mountains Are Alive

Ausgabe 2024 · Text: Stefan Herbke · Fotos: Stefan Herbke · 3 min Lesezeit

Where the Mountains Are Alive

Wenn der Sommer zu heiß ist, die Zeit bis zum ersten Schnee in Zeitlupe vergeht und die Ski im Keller Staub ansetzen, muss man über Alternativen nachdenken. Und weil sich der Saisonstart auf den Alpengletschern immer mehr nach hinten verschiebt, muss man global denken. So wie die Skiprofis, die auf …

Wenn der Sommer zu heiß ist, die Zeit bis zum ersten Schnee in Zeitlupe vergeht und die Ski im Keller Staub ansetzen, muss man über Alternativen nachdenken. Und weil sich der Saisonstart auf den Alpengletschern immer mehr nach hinten verschiebt, muss man global denken. So wie die Skiprofis, die auf der Südhalbkugel für den Weltcup trainieren. Zudem beginnt mit unserem Herbst auf den Vulkanen im Süden Chiles die Skitourensaison. In der Region Araukanien, der chilenischen Schweiz, stehen zwischen dem mächtigen Llaima, dem Villarrica mit seiner markanten Rauchsäule und dem vergletscherten Osorno unweit der Grenze zu Patagonien mehrere freistehende Vulkane – weiße, tief verschneite Pyramiden über glasklaren Seen, endlosen Weiten und dichten Wäldern. Mehr als genug Argumente, um bereits im Oktober die Skitourensaison zu eröffnen.

Drei Tage Regen im Tal haben am Berg ihre Spuren hinterlassen. Das kleine Skigebiet Corralco am Fuß des 2.865 Meter hohen Lonquimay ist quasi eingeschneit. Beim Lift ist das Seil aus den Rollen gesprungen, von den Schleppliftbügeln ragt nur mehr der oberste Teil aus den Schneemassen. Gleich daneben spuren wir über die XXL-Hänge hinauf, freuen uns über die lang vermisste

Sonne und genießen die ungewohnte Kulisse mit Vulkanen, die wie Leuchttürme in den Himmel ragen. Die Wartezeit bis zum sehnsüchtig erwarteten Start in die Skitourensaison verbrachten wir mit Ausflügen, der Kontrolle der Schneeketten und dem Studieren des Wetterberichts. Die Erkenntnis: Der kleine Ausflug zu den Thermalquellen von Malleco entwickelte sich dank endloser Schlammpisten durch den chilenischen Dschungel zu einem großen Abenteuer. Die Ketten passten nicht und der Wetterbericht wurde nicht besser. Unsere Geduld wurde jedoch belohnt. Der gleichmäßige, nach oben zunehmend steiler werdende Kegel des Lonquimay ist ein fantastischer Skiberg mit zig Möglichkeiten.

Für die Abfahrt wählen wir eine Variante durch die steile Südflanke mit ihrem markanten Felsriegel – auf der Südseite der Erdhalbkugel die perfekte Wahl für Powder. Ein Traum in Weiß und das passende Geburtstagsgeschenk für Paul Walser aus dem Ötztal. Gefeiert haben wir im Anschluss im einst von Schweizern erbauten Restaurant Suizandina – mit Raclette und Käsefondue.

Am nächsten Tag steht der 3.125 Meter hohe Llaima auf dem Programm. Geplant ist der Aufstieg über die Nordseite, die mit 1.800 Höhenmetern zwar lang, aber schon morgens in der Sonne

liegend etwas windgeschützter ist – der Wind ist auf den Vulkanen Chiles nämlich ein ständiger Begleiter. Die Distanzen haben gefühlt Westalpencharakter, und so nähern wir uns nur langsam dem nach oben hin immer steiler werdenden Vulkankegel. Ein gewaltiger Berg, der durch die faszinierenden Araukarienwälder am Fuß des Berges noch exotischer wirkt. Allerdings nimmt auch der Wind mit jedem Meter heftig zu, doch im Schutz des meterdicken Anraums am Gipfel gibt es einen windstillen Platz mit Bodenheizung, denn der Llaima gehört zu den aktivsten Vulkanen Südamerikas.

tige Rauchwolke zeigt eindrucksvoll, dass er immer aktiv ist. Vorbei an einem Lift, dessen Stützen und Sessel sich in surreale Eisgebilde verwandelt haben, geht es über die frisch verschneiten Hänge hinauf zum riesigen Krater. Leider verschlucken uns kurz unter dem höchsten Punkt die Wolken, die zwar vom Sturm immer wieder aufgerissen werden, doch ein Blick in den Krater mit der rotglühenden Lava ist nicht möglich. Zudem ist der meterdicke Anraum tückisch; aufgrund des warmen Bodens lauern unter dem Eis immer wieder Hohlräume.

Nach traumhaften Skitouren auf die Vulkane Quetrupillán, Mocho und Casablanca steht zum Abschluss der komplett vergletscherte Osorno auf dem Programm. Ein mächtiger Berg,

der durch seine schiere Größe, Form und Lage oberhalb des zweitgrößten Sees Chiles begeistert. Der Wetterbericht ist gut, der Wind sollte diesmal unter der 100 km/h-Marke bleiben – für chilenische Verhältnisse also ein Traumtag. So weit die Theorie, denn auf dem riesigen Gipfelplateau ist es aus mit der Ruhe. Nur kurz genießen wir den stürmischen Ausblick, dann geht es hinein in die extrem steile, windgeschützte Nordflanke. Eine Traumabfahrt über endlose Firnhänge, die etwas abrupt im dichten Dschungel endet. Doch die Abfahrtsvariante hat sich mehr als gelohnt, auch wenn jetzt gut 900 extra Höhenmeter Gegenanstieg auf uns warten – immerhin können wir auch hier in absolut unberührten Hängen unsere Spuren hinterlassen.

Where the Mountains Are Alive
© Stefan Herbke
Where the Mountains Are Alive
© Stefan Herbke
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© Stefan Herbke
Where the Mountains Are Alive
© Stefan Herbke
Where the Mountains Are Alive
© Stefan Herbke

Fahrer: Hans Saler, Paul Walser

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