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Georgien · Caucasus Range (Gudauri)

Georgia on my Mind

Ausgabe 2018 · Text: Sandra Lahnsteiner · Fotos: Thomas Marzusch · 4 min Lesezeit

Georgia on my Mind

In der ehemaligen Sowjetrepublik Georgien gibt es Bergdörfer im Kaukasus ebenso wie Strände am Schwarzen Meer: Das Land grenzt im Norden an Russland, im Südosten an Aserbaidschan, im Süden an …

In der ehemaligen Sowjetrepublik Georgien gibt es Bergdörfer im Kaukasus ebenso wie Strände am Schwarzen Meer: Das Land grenzt im Norden an Russland, im Südosten an Aserbaidschan, im Süden an Armenien und im Südwesten an die Türkei. Die Region Gudauri ist längst kein Geheimtipp mehr in der Freeskiszene. Im Kaukasus warten unzählige Drei- bis Fünftausender darauf, mit Skiern befahren zu werden. Und dennoch scheint eine Reise in den Staat an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien nicht alltäglich. Es riecht nach Abenteuer. Und genau danach lechzen meine Freundin Caja Schöpf und ich, Sandra Lahnsteiner. Skifahren ist unsere Triebfeder, Land, Kultur und Leute kennenzulernen, ein wichtiger Aspekt auf unseren Reisen.

Skitouren in Georgien sind die logische Konsequenz. Das höchste Gebirge Europas? Die richtige Antwort hängt ganz von der Definition der innereurasischen Grenze ab. Die meisten werden an die Alpen mit dem Mont Blanc (4.810 Meter) denken, andere vielleicht an den Elbrus (5.642 Meter) im russischen Kaukasus. Im Kaukasus liegt Georgien, ein kleines Land mit 3,7 Millionen Einwohnern, weit im Osten am Rande von Europa. Geographisch gehört es eigentlich schon zu Asien, wegen seiner Geschichte und Politik wird es jedoch als Teil Europas angesehen. Auch wenn der militärische Konflikt 2008 zwischen Georgien und Russland eine EU-Mitgliedschaft in weite Ferne gerückt hat, ist die EU bemüht, die Beziehungen zu festigen.

Von München aus geht es via Istanbul nach Tiflis, die Hauptstadt Georgiens. Mit einem gemieteten Kleinbus wollen wir noch am Abend direkt nach Stepanzminda, das ehemalige Kazbegi. Dorthin führt die historische Georgische Heerstraße, die Georgien mit Russland verbindet. Schon der Weg hinaus aus der Hauptstadt ist abenteuerlich, man passt sich besser gleich an den chaotisch-aggressiven Fahrstil an. Bei einem Zwischenstopp an einer Bäckerei erleben wir georgische Gastfreundschaft pur. Eine gemeinsame Sprachbasis gibt es nicht, dennoch werden Caja und ich direkt in die Küche gewunken und sehen zu, wie die Frauen die Chatschapuri, eine Art überbackenes Käsebrot – eine Spezialität der georgischen Küche – zubereiten.

Mit vollem Bauch sollten die 153 Kilometer nach Stepanzminda ein Katzensprung sein. Da sich die Strecke jedoch größtenteils durch das Hochgebirge schlängelt, rechnet man speziell bei winterlichen Verhältnissen besser mit über drei Stunden Fahrzeit. 18 Serpentinen führen zum Skigebiet Gudauri, bevor wir am Kreuzpass mit 2.385 Meter den höchsten Punkt der Heerestraße erreichen. Die verbleibenden 30 Kilometer kommen uns ewig vor. Die Straße ist schmal, die Tunnel unbeleuchtet und zum Teil einspurig. Die unzähligen LKWs mit armenischen, aserbaidschanischen oder russischen Nummernschildern tauchen unvermittelt und gefährlich schnell aus der Finsternis auf. Ich entspanne mich erst, als wir in Stepanzminda ankommen und in die Betten des Hotels fallen.

Stepanzminda im Norden Georgiens liegt auf 1.700 Metern am Fuße des 5.033 Meter hohe Kazbek, majestätisch thront er über dem Tal. Der Kazbek ist kein unbekannter Berg unter Skitourengehern – er ist allerdings ein klassischer Frühjahrsberg, und da es Februar ist, kommt die Besteigung nicht in Frage. Aber der kleine Ort ist trotzdem der ideale Ausgangspunkt. Wir konzentrieren uns auf unsere erste Tour zur Gergetier Dreifaltigkeitskirche auf dem 2.170 Meter hohen Kwemi Mta. Sie ist eher ein Mix aus Wanderung und Skitour, denn die Schneegrenze liegt nur knapp unterhalb der im 14. Jahrhundert erbauten Kirche, einen Wallfahrtsort, der im Sommer überlaufen ist.

Jetzt, im kalten rauen Winter, sind wir fast alleine und saugen die kalte Luft ein, während wir ehrfürchtig auf die Bergriesen blicken. Der Bidara mit 3.174 Metern gilt als Hausberg von Gudauri und ist Ziel unserer zweiten Tour. Die Lawinenverhältnisse sind stabil, und nachdem wir am Gipfel geduldig auf ein Wetterfenster gewartet haben, bringt uns die Abfahrt über die steilen Westhänge bis zum Kreuzpass höchsten Skigenuss. An der Straße angekommen nehmen wir ein Taxi zurück nach Gudauri, das größte und höchste Skigebiet Georgiens. Es gilt aufgrund seiner Schneesicherheit und leichten Erreichbarkeit als Top-Destination im Kaukasus. Ausländische Investoren treiben seit Jahren den Ausbau voran.

Der Sadzele ist mit 3.307 Metern der höchste Berg im Skigebiet und liegt genau auf der Grenze zwischen Asien im Süden und Europa im Norden. Da allerdings mittlerweile ein Lift bis fast ganz oben geht, hat die Skitour einiges an Attraktivität verloren. Ohne große Herausforderungen geht es über den aussichtsreichen Grat bis zum höchsten Punkt. Bei sicheren Verhältnissen kann man vom Gipfel direkt Richtung Kobi am Kreuzpass abfahren. Uns bleibt die Abfahrt an diesem Tag allerdings verwehrt, Nebelschwaden und tiefhängende Wolken machen eine Orientierung oberhalb der Baumgrenze unmöglich. Die nächste Skitour zum orthodoxen Lomisi Kloster auf den 2.400 Meter hohen Bergkamm ist mit ihren 900 Höhenmetern definitiv unser Highlight.

Drei Mönche empfangen uns in ihrem Raum mit Chacha und Brot, führen uns durch die Kirche und freuen sich sichtlich über Gesellschaft. Der 3.488 Meter hohe Deda Ena bildet schließlich den Abschluss unserer beeindruckenden Woche. Bergführer Ludwig Karrasch, der jüngste Bergführer Deutschlands, der uns die ganze Woche begleitet hat, hat sich diesen Klassiker mit 1.100 Höhenmetern bis zum Schluss aufgehoben. Die Tour auf die markante Pyramide startet und endet direkt am Kreuzpass. Zuerst führen flache, später steilere Passagen durch das kupierte Gelände direkt auf den Gipfelgrat. Die Aussicht von oben ist beeindruckend. Spätestens jetzt spricht jeder seine Liebe zum Kaukasus aus.

Die anschließende Abfahrt unterbrechen wir noch einmal mit einem kurzen Zwischenanstieg in ein unverspurtes Kar, das zum Höhepunkt unserer Woche wird. Danach reisen wir ab Richtung Hauptstadt. Ein Tag in Tiflis markiert das Ende unserer abenteuerlichen Reise.

Georgia on my Mind
© Thomas Marzusch
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© Thomas Marzusch
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© Thomas Marzusch
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© Thomas Marzusch
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© Thomas Marzusch

Fahrer: Sandra Lahnsteiner, Caja Schöpf

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