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Schweden · Låktatjåkka Mountain

Waffles, Powder and Wild Terrain

Ausgabe 2019 · Text: Mattias Fredriksson · Fotos: Mattias Fredriksson · 4 min Lesezeit

Waffles, Powder and Wild Terrain

Låktatjákko ist Schwedens höchstgelegene Berghütte und idealer Ausgangspunkt für spektakuläre Skitouren in der einzigartigen Natur Schwedisch-Lapplands. Låktatjåkkostugan, wie die Schweden die Hütte …

Låktatjákko ist Schwedens höchstgelegene Berghütte und idealer Ausgangspunkt für spektakuläre Skitouren in der einzigartigen Natur Schwedisch-Lapplands. Låktatjåkkostugan, wie die Schweden die Hütte nennen, ist etwa 100 Kilometer von der Stadt Kiruna und neun Kilometer südwestlich vom Skigebiet Björkliden entfernt. Es liegt abgelegen zwischen den Bergen Loktacohkka (1.404 Meter) und Bajip Gohpácohkka (1.410 Meter), aber der Standard ist überraschend hoch. Låktatjåkkostugan bietet Platz für 18 Personen, das Restaurant serviert jeden Abend ein Drei-Gänge-Menü und man kann an Schwedens höchster Bar sitzen. Es gibt eine Sauna, ein gemütliches Wohnzimmer mit einer kleinen Bibliothek und ein spezielles Waffelmenü.

Am wichtigsten ist aber, dass die Hütte eine sehr authentische Atmosphäre hat. Es fühlt sich an, als würden wir in einer Schüssel mit Milch herumlaufen; der Wind weht, der Schnee peitscht horizontal über den Boden und mir ist eiskalt. Die roten Kreuze, die den Weg markieren, sind der einzige Hinweis, wohin es geht, und manchmal verschwinden sogar sie im Whiteout. Vielleicht war es nicht die beste Idee, heute eine Skitour zu machen, aber nachdem wir den ganzen Weg nach Björkliden in Schwedisch-Lappland, 195 Kilometer nördlich des Polarkreises, gefahren waren, wollten wir unsere Beine bewegen und etwas frische Luft schnappen.

Als wir nun so im Kreis laufen, um den Weg zurück zur Låktatjåkkostugan, Schwedens höchster Berghütte auf 1.228 Metern über dem Meeresspiegel (fürs Protokoll: Schwedens höchster Berg, der Kebnekaise, ist 2.097 Meter hoch), zu finden, bedauern wir schnell unsere Entscheidung. Irgendwann finden wir dann den Weg. Ein paar rote Kreuze bringen uns auf Kurs, und schon bald haben wir sogar Pulverschnee unter den Brettern. Die kurze, aber abenteuerliche Tour lässt die leckeren Waffeln auf der Hütte noch besser schmecken. Die Geschichte von Björkliden, Låktatjåkko und Umgebung begann, als Ende des 18. Jahrhunderts in den Städten Kiruna und Gällivare Eisenerz gefunden wurde.

Die Bergregion zwischen Kiruna in Schweden und der norwegischen Grenze war ausschließlich ländlich und es gab keine Straßen. Um das Eisenerz von den Minen zum Hafen in Narvik zu transportieren, beschlossen die Regierungen Schwedens und Norwegens, eine Bahnstrecke durch die Berge zu bauen. Der Bau begann 1898, und nur vier Jahre später wurde die Ofotenbahn eröffnet. Die Route zwischen dem Bahnhof Låktatjåkko über den Låktatjåkko-Pass und hinunter nach Björkliden wurde schnell bei Wanderern und Skifahrern beliebt. Das Wetter ist oft rau, also erschien es logisch, eine Hütte am Pass zu bauen. Die Berghütte Låktatjåkko wurde 1939 eröffnet.

Während des Krieges war auf den Bergstationen kein Tourismus erlaubt, was den wirtschaftlichen Erfolg der Hütte anfänglich ziemlich verlangsamte. Nach dem Krieg wurde die Hütte jedoch schnell zu einem beliebten Ziel für schwedische Outdoor-Fans. Als das Skifahren in den 1970er Jahren aufgrund der Erfolge Ingemar Stenmarks zum Nationalsport wurde, wurde die Hütte schließlich über die regionalen Grenzen hinaus bekannt. Es schneit stark, als wir am nächsten Morgen aufwachen. Auf Anraten des Hüttenpersonals machen wir ein paar schnelle Aufstiege und Abfahrten durch den Neuschnee rund um die Hütte. Irgendjemand hat bereits eine Spur gelegt, was unsere erste Tour nach Bajip Gohpácohkka schnell und einfach macht.

Der Schnee ist superleicht und die Bewegungen zwischen meinen Schwüngen fühlen sich an, als würde ich durch eine Schüssel mit Wattebällen schwimmen. Dies ist definitiv kein typisch schwedischer Skitag! Der Aufstieg ist kurz, aber mit bis zu 50 Grad sehr steil. Die Schneedecke fühlt sich stabil an, wahrscheinlich, weil der Sturm viel Feuchtigkeit vom Atlantik transportiert hat. Nach einer Pause und ein paar leckeren Waffeln beschließen wir, den Loktacohkka auf der anderen Seite der Hütte zu besteigen. Trotz Sturm finden wir den Weg und fellen direkt neben dem typischen Steinhaufen auf dem Gipfel ab.

Es hat den ganzen Tag geschneit und wir sind extrem vorsichtig, als wir die 1.000 Höhenmeter lange Abfahrt Richtung Kopparåsen und hinunter zur Straße zwischen Kiruna und Narvik fahren. Das Gelände ist steil und exponierter, weshalb sich das Risiko auf dieser Seite des Berges noch erhöht. Wir sind völlig alleine hier draußen und fühlen uns ziemlich klein, deswegen wählen wir unsere Linien eher konservativ. Plötzlich reißt der Himmel auf. Die restlichen 600 Höhenmeter sind magisch, vor allem das letzte windgeschützte Stück bis zum Bahnhof von Kopparåsen. Es ist Mitte April, aber hier, nahe der Arktis, ist es immer noch mitten im Winter und die Skiverhältnisse sind perfekt.

Unten angekommen, macht sich unser gut gelaunter Trupp im Nachmittagslicht auf den Weg zurück zur Låktatjåkko Berghütte. Zu den Vorteilen dieser Hütte zählen ihre Höhenlage und der schnelle Zugang zum Gelände am Morgen. Aber die Hütte ist auch sonst sehr heimelig und bequem. In dem Wohnzimmer mit Bar treffen sich Gäste und Mitarbeiter abends zum Lesen und Reden. Es gibt kein Internet, kaum Mobilfunkservice, dafür aber viele gute Bücher und eine überraschend gute Auswahl an Bier, Wein und Whiskey. Das Restaurant bietet außerdem ausgezeichnete lokale Gerichte wie Rentier und Elch. Am nächsten Tag machen wir uns nach einem frühen Frühstück auf den Weg nach Westen. Es ist ruhig, das einzige Geräusch kommt von unseren Skiern und Fellen.

Es dauert nicht lange, bevor wir den Gipfel des Gearggecorru (1.419 Meter) erreichen. Das Terrain ist wild und beeindruckend. Es erscheint mir ein wenig surreal, dass wir in Schweden sind. Es fühlt sich eher wie die Alpen an, oder zumindest wie Norwegen. Obwohl wir gar nicht so weit von der Zivilisation und einer beliebten Bergregion entfernt sind, treffen wir keine Menschenseele. Wir fahren in Richtung Rissajaure, Nordeuropas klarstem See, ab und ich genieße jede Sekunde, bevor unsere Tour am Bahnhof Låktatjåkko ihr geplante Ende findet.

Waffles, Powder and Wild Terrain
© Mattias Fredriksson
Waffles, Powder and Wild Terrain
© Mattias Fredriksson
Waffles, Powder and Wild Terrain
© Mattias Fredriksson
Waffles, Powder and Wild Terrain
© Mattias Fredriksson
Waffles, Powder and Wild Terrain
© Mattias Fredriksson

Fahrer: Marcus Caston, Mikael af Ekenstam, Johan Jonsson

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