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Japan · Kubiki Alps (Myoko)

Welcome to Japan

Ausgabe 2013 · Text: K.C. Deane · Fotos: Grant Gunderson · 5 min Lesezeit

Welcome to Japan

In Japan anzukommen ist immer wieder eine interessante Erfahrung. Symbole in Mandarin auf fast allen Beschriftungen, und Gespräche, die man nicht im Geringsten versteht. Es ist einfach völlig anders …

In Japan anzukommen ist immer wieder eine interessante Erfahrung. Symbole in Mandarin auf fast allen Beschriftungen, und Gespräche, die man nicht im Geringsten versteht. Es ist einfach völlig anders als alles, was ich auf meinen Skireisen bisher erlebt habe. Unsere Gruppe – Grant Gunderson, Adam Ü, Sven Brunso, Carston Oliver und ich – kämpft sich mit viel zu viel Gepäck durch den Flughafen. Dann drängen wir uns mit gefühlten 100.000 Menschen durch die U-Bahn. Wir kommunizieren mit Händen und Füßen, lächeln dabei immer nett und finden nach einigem Hin und Her schließlich unseren Zug in die Präfektur Nagano, etwa drei Stunden außerhalb von Tokio.

Am kleinen Bahnhof von Myokokogen steigen wir bei kaltem, klarem Wetter aus und werden vom Local Bill Ross freundlich begrüßt. Wir sind nicht das erste Mal hier, aber zum ersten Mal schneit es bei unserer Ankunft nicht. Wir fahren zum Hotel Korakuso, unserem Zuhause für die nächsten neun Tage. Bill klärt uns kurz über die Schneebedingungen auf, und zu unserer Überraschung sind ein oder zwei Tage Sonne angesagt. Auch hat es fast eine Woche nicht geschneit, was für Japan untypisch ist. Endlich sind wir im Hotel, eine halbe Weltreise entfernt in den Kubiki Alpen, Myoko. Als die Morgensonne am nächsten Tag über die Gipfel steigt und das Myoko-Tal erhellt, treffe ich in der Lobby Gunderson und Brunso, beide schon in voller Montur.

Sven kann es kaum erwarten, auf den Berg zu kommen... „Nur keine Eile. Der Schnee geht nirgendwo hin. Sogar das Gelände in Reichweite der Lifte ist nie verspurt, also entspann dich“, beruhigt uns Adam, als wir unsere Boots anziehen. Die Talstation von Akakura Kanko im Schatten des Mt. Myoko ist nur fünf Minuten zu Fuß entfernt. Das Skigebiet hat vier Lifte, die 790 Höhenmeter zu den unglaublichsten Baumabfahrten überwinden. Man muss nur 35 Minuten hiken, um sich über Akakura und dem Myoko-Tal in Hängen mit weit auseinander stehenden Dakekanda-Bäumen wiederzufinden. Sven kann kaum fassen, was er sieht. Obwohl es eine Woche nicht geschneit hat, sind kaum Spuren zwischen den Bäumen. Als ich losfahre, höre ich ihn fragen: „Ist hier gesperrt?

Dürfen wir hier rein?“ Willkommen in Japan. Bei herrlichstem Wetter fellen wir auf. In der Präfektur Nagano gibt es im Durchschnitt nur acht Sonnentage im Jahr, was fürs Tiefschneefahren genial ist, aber längere Touren hoch über dem Tal meist verhindert. Normalerweise sind Touren kleinere Abstecher mit kurzen Aufstiegen, die aber enormes Gelände erschließen. Ohne großen Aufwand hat man 600 Höhenmeter Abfahrt in den Ort, gefolgt von einem 15-minütigen Rückmarsch nach Akakura Onsen. Von der Bergstation des Akakura Kanko oder Akakan spuren wir zum Gipfel des Maecyama. Wir machen schnell Höhenmeter, und der Mt. Myoko taucht auf, steil und zerklüftet mit riesigen Schwefelwolken, die aus seiner Flanke austreten.

Als unser erster Tag zur Neige geht, packt Gunderson seine Kamera weg, um selbst noch ein paar Schwünge zu genießen. Als er zwischen den Bäumen verschwindet, staubt es gewaltig. Zurück im Hotel sitzt er bereits mit völlig vereistem Bart und einem breiten Grinsen da: „Sven, hab ich dir gesagt, dass das heute noch nicht einmal gute Verhältnisse waren?“ Die Wolken hängen tief, als wir uns langsam auf den Weg machen. In den letzten drei Tagen hat unsere Gruppe jeden Baum im Skigebiet erkundet. Zeit für eine Pause. Gegen Mittag schneit es und riecht nach Meer: Die Bäume werden weiß, und am Abend liegt ein halber Meter Neuschnee.

Sven sagt: „Am ersten Tag war Kaiserwetter und ich war mir sicher, den Tiefschnee, den ich hier erleben wollte, niemals zu sehen. Drei Tage später kommen ein paar Wolken und schon liegt ein Meter!“ Die nächsten vier Tage schneit es ohne Pause. Schließlich liegen mehrere Meter, und wir wachen bei Sonnenschein auf. Die Tage verfliegen in einer Mischung aus Powderrausch und Jetlag. Während wir zuhause bei Neuschnee immer die ersten am Lift sein wollen, können wir hier entspannter zur Sache gehen. Niemand ist in Eile, als wir zum Skigebiet laufen. Einen Tag später schneit es wieder. Großartig in Japan ist, dass der immerwährende Schneefall der Schneedecke keine Zeit lässt, sich in der Sonne zu setzen.

Wir graben ein gut drei Meter tiefes Schneeprofil bis auf den Boden und finden keine harten Schichten. Die Stabilität gibt uns die Sicherheit, auch exponiertere Linien zu fahren. Doch kann man sich von der angeblichen Sicherheit bei unglaublichen Neuschneemengen auch leicht irreführen lassen. Wenn man von einer Piste in einen Tiefschneehang sticht, kann man plötzlich vor einer unüberwindbaren Schneewand stehen und umdrehen müssen. Sich dann durch den Schnee zu kämpfen, ist nicht angenehm. Da mittlerweile mindestens vier Meter liegen, wollen Carston und ich ein paar der extremeren Linien fahren. Es gibt im Skigebiet eine enge, steile Schlucht mit zahlreichen Rinnen und Cliffs.

Mit der ausgesuchten Linie im Kopf fahre ich in den Hang ein und warte an einer sicheren Stelle auf Carston. Jubelnd ziehen wir Spuren durch die steilen Tiefschneehänge. Als ich weiterfahre, merke ich nach wenigen Turns, dass wir die geplante Linie verpasst haben. Wir sind zu weit oben eingefahren und finden uns nun über einer 18 Meter hohen Klippe wieder, die Carston letztes Jahr schon gesprungen ist. Bei der Neuschneelage besteht keine Chance, durch den 50 Grad steilen Hang wieder aufzusteigen. Der Schnee ist tief genug, Carston ist schon einmal gesprungen, also wagen wir es. Es klappt ohne Probleme, dennoch werden wir uns bewusst, wie schnell man in eine gefährliche Situation geraten kann.

Als unser Trip zu Ende geht, schenkt uns Japan noch einmal Sonnenschein und Tiefschnee. Das Gedränge in der U-Bahn bei unserer Ankunft in Tokio scheint unendlich lange zurück zu liegen, als wir über dem Tal stehen und beobachten, wie die Sonne untergeht. Während einer nach dem anderen in den letzten Hang einfährt, lasse ich die Tage Revue passieren. Es wird langsam kalt, als ich mich auf den Weg mache. Schon beim ersten Schwung staubt mir der Schnee ins Gesicht. Als einzige Geräusche begleiten mich mein Atem und das Rascheln meiner Jacke. Das ist Skifahren in Japan.

Welcome to Japan
© Grant Gunderson
Welcome to Japan
© Grant Gunderson
Welcome to Japan
© Grant Gunderson
Welcome to Japan
© Grant Gunderson
Welcome to Japan
© Grant Gunderson

Fahrer: Sven Brunso, Carston Oliver, Adam Ü, K.C. Deane

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