Japan · Hokkaido (Ost-Hokkaido)
Local Beauty
Ausgabe 2023 · Text: Momoyo Magosaki · Fotos: Takahiro Nakanishi · 3 min Lesezeit

Ich komme aus dem östlichen Teil von Hokkaido. Dort gibt es die Nationalparks Shiretoko – ein Weltkulturerbe, Akan-Mashu und Kushiro-Shitsugen, wo von Sommer bis Herbst die Blumen blühen. Im Winter …
Ich komme aus dem östlichen Teil von Hokkaido. Dort gibt es die Nationalparks Shiretoko – ein Weltkulturerbe, Akan-Mashu und Kushiro-Shitsugen, wo von Sommer bis Herbst die Blumen blühen. Im Winter bringt das Ochotskische Meer Treibeis aus Sibirien nach Süden und das Land ist von einer weißen Schneedecke bedeckt. Selbst für Hokkaido ist dies eine einzigartige Gegend, in der man das Ökosystem der Urwälder und seltene Tiere und Pflanzen beobachten kann. Ich habe mit dem Skifahren begonnen, als ich 3 Jahre alt war. In meinen späten Teenagerjahren lernte ich als Austauschschüler in Neuseeland das Abseitsfahren, und zurück in Japan begann ich in Hakuba mit dem Tourengehen.
Als ich nach 17 Jahren endlich in meine Heimat zurückkam, war ich von der Schönheit der Region überwältigt. Eine Schönheit, die ich als Kind so nicht wahrgenommen hatte – wie das sprichwörtliche „Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“. Ich wollte die Berge des östlichen Hokkaido im Hochwinter kennenlernen. Die Temperatur sinkt im Tal oft auf -25° Celsius. In den Bergen herrschen aufgrund von Wind und anderen Faktoren sehr raue Bedingungen. Es ist ein trockenes Klima mit wenig Schneefall, so dass der Schnee anders ist als der bekannte „Japow“. Ich war aber überzeugt, dass die Aussicht von den Gipfeln großartig sein musste. Durch die Erkundung des Gebiets, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, würde ich auch mich selbst besser kennenlernen.
Ich hatte gehört, dass der Fotograf Taka an Skiaufnahmen im östlichen Hokkaido interessiert war. Er schien eine genaue Vorstellung vom Bild eines Skifahrers auf der Shiretoko-Halbinsel mit Treibeis im Hintergrund zu haben. Ich konnte mir das gut vorstellen, und so begannen wir gemeinsam, Pläne für eine Reise nach Ost-Hokkaido ein paar Monate später zu machen. Das Treibeis sollte später als gewöhnlich eintreffen, also trafen wir einen Kompromiss: Ein Foto ohne das Eis im Hintergrund, dafür mehr Stunden im Gebirge beim Skifahren. Erstes Ziel der Reise war der Mt. Meakan (1.499 Meter), ein Berg, den ich in meiner Kindheit jeden Tag gesehen und oft bestiegen und befahren hatte.
Nach einer Tasse Kaffee machten wir uns auf den Weg, um Fotos bei Sonnenuntergang zu schießen. Wir folgten dem leicht verschneiten Weg, bis wir an der Baumgrenze von blauem Himmel und einer atemberaubenden Schneelandschaft begrüßt wurden. Taka, der sich um das richtige Licht sorgte, beschleunigte sein Tempo und querte zum gegenüberliegenden Hang. In der Nähe des Gipfelgrats war es fast windstill. Wir warteten, dass sich die Hänge rosa färbten. Dann ging es los, und ich genoss eine viel längere Abfahrt, als ich es erwartet hatte. Auf dem Rückweg krochen wir mit einer Stirnlampe durch den dunklen Wald und erreichten sicher die heißen Quellen am Fuße des Berges. Am nächsten Tag brannten sich die schneebedeckten Bäume am Mt.
Shari (1.547 Meter), die traumhaft schön im Sonnenschein glänzten, für ewig in meine Erinnerung ein. Das Panorama des Shiretoko-Gebirges, der Kunashiri-Insel, des Ochotskischen Meeres, des Mashu-Sees und des Kussharo-Sees war ebenso großartig. Diese stille Welt war mystisch, und an diesem Tag wurde ich ein Fan dieser Berge. Nachdem wir erneut erst mit dem Sonnenuntergang ins Tal abgefahren waren, wärmten wir uns zum Abschluss in den heißen Quellen des Moor Onsen auf. An unserem letzten Tag beschlossen wir, den Mt. Mokoto (999 Meter) zu besteigen, der leicht zugänglich und wegen seiner herrlichen Aussicht sehr beliebt ist. Ich wollte den Sonnenaufgang vom Gipfel sehen, also drängte ich Taka dieses Mal, sich am Morgen zu beeilen.
Als ich den Gipfelkamm überquerte, war ich von Wolken umgeben, doch auf dem Gipfel angekommen, lichtete sich die Wolkendecke und es bot sich ein herrlicher 360-Grad-Blick: Der Kussharo-See direkt unterhalb des Gipfels, Mt. Meakan, den wir am ersten Tag befahren hatten, die Shiretoko-Halbinsel bis zum Ochotskischen Meer und Mt. Shari, den wir am Vortag bestiegen hatten. Obwohl es keinen Neuschnee gab, war es kalt genug für eine letzte traumhafte Tiefschneeabfahrt ins Tal. Obwohl es meine Heimat ist, führte mich diese Reise in eine völlig neue Welt. Zum ersten Mal konnte ich mich mit den Bergen im Osten Hokkaidos tiefer auseinandersetzen. Beim Skifahren geht es nicht nur um den Sport, es ist auch immer eine Reise und ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.





Fahrer: Momoyo Magosaki



