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Airbag Systeme in Übersicht

Das Skitourengehen hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Die Anzahl der Tourengeher hat zugenommen, viele von den Anfängern, die einen Einstieg über die boomenden Hütten-Skitouren-Abende in Skigebieten gefunden haben, zieht es nun in die Berge. Viele betreten dabei Neuland und haben berechtigterweise auch gehörig Respekt vor diesem Schritt.

 

Ein Lawinenrucksack soll es nun richten! So weit, so gut, was leistet aber ein Lawinenrucksack und was nicht? Und welcher Rucksack mit Airbag soll es denn sein? Eins schon mal vorab, eine vernünftige Ausbildung im Risiko-Management und das Wissen um die richtige Verhaltensweise im Falle einer Verschüttung ersetzt kein Lawinenrucksack! Nüchtern betrachtet erhöht er lediglich die Wahrscheinlichkeit einer geringeren Verschüttungstiefe und damit evtl. einer schnelleren Rettung.

Jedem Novizen im Backcountry sei dringend eine Teilnahme an einem Lawinen Kurs ans Herz gelegt, eine Auffrischung des Wissens für Erfahrene schadet auch nicht.

 

Das Angebot an Rucksäcken wächst mit der steigenden Anzahl der Freerider und Skitourengeher. Es gibt ca. zehn Hauptsysteme, die von den jeweiligen Firmen eingesetzt werden und darüber hinaus von Partnerfirmen lizenziert werden.


ABS P.Ride und s.Light  
ABS ist ein Pionier im Bereich der Lawinenrucksäcke. Das P.Ride System zeichnet sich durch die Möglichkeit einer Partner-Auslösung aus, wodurch in einer kritischen Situation eine gezielte Auslösung des Airbags vom Partner, der zuschaut, möglich ist. Die Volumen der Airbags variieren bei

allen Herstellern zwischen 150 Liter - 200 Liter. ABS proklamiert für sich, eine bis zu doppelt so große Auflagefläche des Airbags zu haben und dadurch die Wahrscheinlichkeit, im Falle einer Lawinen-Erfassung an der Oberfläche zu leiben, klar zu erhöhen. Die zwei eingesetzten und weitgehend voneinander unabhängigen Airbags (ABS® Twinbag System) werden mit separaten Ventilen

gefüllt, dadurch wird einem möglichen Riss eines Airbags Rechnung getragen. Auch das s.Light System arbeitet mit dem bewährten ABS® Twinbag System, das Gewicht der Basiseinheit wurde auf unter 2 Kilogramm reduziert. Alle ABS Rucksäcke bieten mit dem bekannten ZipOn Prinzip die Möglichkeit, durch unterschiedliche Aufsätze aus einem Tagesrucksack einen Mehrtagesrucksack

„zusammenzuzippen“. Ein bewährtes und flexibles Konzept.

 

ALPRIDE 2.0 & Alpride E1
Alpride 2.0
 ist ein rein mechanisches und kompaktes System und nutzt zwei kleine Gaskartuschen. Das 2.0 System ist nach der Norm DIN EN 16716 zertifiziert. Das Alpride E1 ist ein vollelektronisches

System. Alpride proklamiert, dass die eingesetzten Superkondensatoren elektrische Energie ohne chemische Reaktionen speichern können und dadurch auch bei Temperaturen zwischen -30 Grad Celsius und +40 Grad Celsius die gleiche Leistung garantiert wird. Diese können von zwei vollen AA Batterien innerhalb von 40 Minuten oder alternativ mit einem USB Stecker aufgeladen werden. Ein mehrfaches Auslösen des Airbags ist dadurch ohne Zusatzkosten möglich.

 

ARVA Reactor
Arva Reactor ist ein mechanisches System. Der Airbag erscheint nach dem Befüllen nach außen als eine Einheit, verfügt jedoch über zwei getrennte Kammern. Somit führt ein möglicher Riss einer Einheit – bei einer Verschüttung – zu keinem kompletten Ausfall des Systems. 

 

BCA Float
Das BCA System setzt ein mechanisches System ein. Die gesamte Airbag-Einheit ist aus dem Rucksack ausbaubar, somit können die BCA Rucksäcke auch ohne Airbag und Mehrgewicht eingesetzt werden.

 

BLACK DIAMOND JetForce
JetForce ist ein elektronisches System. Alle Modelle von Black Diamond, die mit dem JetForce System ausgestattet sind, setzen mit 200 Litern den größten Airbag im Test ein. Das System füllt nach dem Auslösen proaktiv laufend den Airbag für die Dauer von 3 Minuten. Danach wird der Airbag erneut proaktiv entleert, was einerseits mehr Raum im Falle einer Verschüttung sicherstellen und auch die Ausgrabung erleichtern soll.

 

MAMMUT P.A.S. und MAMMUT R.A.S.

Die Kartusche, das Auslösesystem und auch der Auslösegriff bei dem mechanischen P.A.S. und R.A.S. System sind gleich. Die Systeme unterscheiden sich im Preis und beim Airbag, es sind Stahl oder Carbon-Kartuschen einsetzbar. Der Airbag beim P.A.S. System schützt den Kopf-, Nacken- und Brustbereich vor mechanischen Verletzungen in der Lawine. Sowohl das P.A.S. als auch das R.A.S. System ist ausbaubar, wodurch die Rucksäcke variabel einzusetzen sind.

 

ORTOVOX Avabag
Auch Ortovox Avabag ist ein mechanisches System. Ortovox optimierte das System im Hinblick auf das Gewicht der Systemeinheit sowie die Ergonomie des Auslösegriffs. Das System kann ohne Kartusche zum Training ausgelöst werden und durch ein Reaktivierungs-Werkzeug erneut scharf gemacht werden.

 

Siehe auch: Gear Test 2019

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